Vor 120 Jahren wurde er geboren, als Sohn einer Bäuerin und eines Schlossermeisters, in einem von heftigen Schneefällen abgeschnittenen Bergdorf nahe Modena: der kleine Enzo, der zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts heranwachsen und wie kein zweiter Italiener den modernen Mythos der Nation verkörpern sollte. Genial, besessen von Perfektion und Erfolg, stand er für eine gleichermaßen gefeierte wie Furcht einflößende Inszenierung von Heldentum und Technik und stilisierte seine feuerroten Rennwagen aus Maranello zu überirdischen Symbolen. Damals wie heute flüstert man andächtig oder skandiert enthusiastisch: FERRARI.

                                                                                  @ Ferrari

Enzo Ferrari ging als einer der einflussreichsten Wirtschaftspioniere in die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg ein und zählt noch heute zu den größten Konstrukteuren aller Zeiten. Il Commendatore widmete sein Leben dem Rennsport und dem Aufbau seines Unternehmens Ferrari, getrieben von einer Vision, der er alles andere unterordnete. „Ich möchte ein Auto bauen, das schneller ist als alle anderen, und dann möchte ich sterben“, sagte er einmal.
1920 stieg er, zunächst als Pilot für Alfa Romeo, ins Renngeschäft ein – mit wechselndem Erfolg. Mitte der 1920er Jahre beendete Enzo Ferrari bei Alfa seine Laufbahn als aktiver Fahrer, warb zahlreiche qualifizierte Mitarbeiter ab und gründete 1929 den Rennstall „Scuderia Ferrari“ mit dem Emblem des Cavallino rampante, des aufsteigenden Pferdes.
Mit Alfa als Partner avancierte die Scuderia zu einem erfolgreichen Team, das 1937 dann den ersten Ferrari konstruierte: den Alfa 158.
Als Mitte der 1930er Jahre dann jedoch die deutschen Marken die Herrschaft im Rennsport übernahmen und Alfa mit dem hohen Entwicklungsbudget der Konkurrenz nicht mithalten konnte, trennte sich Alfa Romeo von Ferrari, um fortan mit einem werkseigenen Team zu starten. Ein herber Rückschlag für Enzo Ferrari, der nicht nur seinen Partner verloren hatte, sondern auch sämtliche Fahrzeuge, Technik, Mitarbeiter und Equipment abgeben musste. Er musste sich wieder hinter der Startlinie einreihen, die Pole Position war in unerreichbare Ferne gerückt. Doch Ferrari blieb seinem Leitspruch treu: „Du musst kontinuierlich arbeiten, sonst musst du dir über den Tod Gedanken machen.“ Das bedeutete, dass er künftig das Auto, den Motor und das Team selbst stellte. 1943 gründete er in Modena die „Auto Avio Construzioni Ferrari“, wo erstmals Automobile unter seinem Namen gebaut wurden. Als das Werk im Zweiten Weltkrieg vollständig zerbombt wurde, zog Ferrari nach Maranello um. 1946 nahm er die Produktion von Rennwagen wieder auf und begann nun auch, gezähmte Rennautos zu stolzen Preisen für wohlhabende Herren zu konstruieren.

@ Ferrari

@ Ferrari

Genial im Geldbeschaffen, visionär beim Konstruieren, despotisch, egoistisch, rücksichtslos auf den Erfolg zentriert, wies er seinen Mitarbeitern und Fahrern den Weg zum Sieg – lieber tot als Zweiter. Il Drago, der Drache, breitete seine Schwingen aus. Unterstützt von den Rennerfolgen in der Königsklasse, die Piloten wie Juan Manuel Fangio, Mike Hawthorn, Philipp Hill oder Niki Lauda für das Team einfuhren, wurde der Name Ferrari mit der Entwicklung der ersten GT und GTO zum Synonym für den Sportwagen schlechthin. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich die Marke zu einem weltweiten exklusiven Verkaufsschlager. Enzo Ferrari äußerte sich, scharfzüngig wie gewohnt: „Der Ferrari ist ein Traum – die Leute träumen davon, dieses spezielle Fahrzeug zu besitzen, und für die meisten wird es ein Traum bleiben. Abgesehen von ein paar wenigen Glücklichen.“ Und das sind möglicherweise genau diejenigen, die Ferraris unbedingte Einstellung zum Erfolg teilen: „Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch machen.“ (kh)

Bildquellen

Share.

Leave A Reply