Zweifelsohne zählt Bård Breivik zu den bedeutendsten Bildhauern und Konzeptionskünstlern der Gegenwart. In vielerlei Hinsicht hinterließ er mit seinen Werken Spuren in der norwegischen Kunstlandschaft; dazu zählen zum einen seine plastischen Installationen, aber auch seine Leistung auf kunsttheoretischer Ebene gepaart mit der Intention, die hinter seinem Werk steht.

Das Leben des Bård Breivik
Warpaint 2015 Illustrasjon hentet fra boken Bård Breivik; I'd love the key to the master lock Jorunn Veiteberg og Rita Leppiniemi (red.) Fagbokforlaget 2016

© Warpaint 2015, Illustrasjon hentet fra boken, Bård Breivik; I’d love the key to the master lock
Jorunn Veiteberg og Rita Leppiniemi (red.)
Fagbokforlaget 2016

Am 23. November 1948 wurde Breivik im norwegischen Bergen als Sohn von Sissel Søyland und Thomas Breivik geboren. Sein Weg in die Kunst ebnete sich mit der Legung seines ersten Meilensteins, dem Abschluss an der Bergen School of Arts and Craft im Jahr 1970. Direkt im Anschluss belegte Breiveik an der St. Martin School of Arts einen einjährigen Kurs unter der Betreuung des, für die Moderne bedeutenden, Bildhauers Anthony Caro. Im Jahr 1971 begründete Breivik die Künstlergruppe LYN mit, welcher er bis 1981 angehört hat. Sein unschätzbares Wissen um die Bildhauerei und Kunst an sich, gab er von 1974 bis 1979 an seiner alten Ausbildungsstätte in Bergen weiter, sowie, nach dem Ende seiner Partizipation bei der Gruppe LYN, an der Royal Academy of Fine Arts in Stockholm bis 1985.

Kunst und Intention

Die Kunst Breiviks zeichnet sich nicht durch einen stringent eingehaltenen Stil aus, sie ist vielmehr als Kollektion und Variation in verschiedenen Dimensionen zu betrachten. Die erste große Varianz besteht in der Größe der Skulpturen, die Breivik geschaffen hat; dabei umfasst sein Portfolio in gleicher Weise monumentale Bauten wie auch kleinere Objekte. Die Variationen zwei und drei bestehen in der Relation von Masse zu Materialien, einschließlich Vielfalt und Potenzial. Um die Grundlage seiner plastischen Kunst ideal ausschöpfen zu können, experimentiert Breivik mit den Grenzen der ihm gegebenen Stoffe. Hierbei geschieht das Ermessen des Materialpotenzials nicht nur unter Betrachtung der physischen Eigenschaften und Grenzen der Belastbarkeit, vielmehr geht es auch um die Grenzen in der Wirkungskraft, die mithilfe der Stoffgrundlage erzeugt werden kann. Zu diesem Zwecke arbeitet Breivik auch innerhalb von Kunstwerken mit verschiedenen Stadien des verwendeten Materials. Ein Beispiel stellt an dieser Stelle sein Kunstwerk „Blickachsen 5“ dar: Das Kunstwerk umfasst drei Torbögen, welche jeweils aus einem einzigen Stein geschlagen wurden. Der rote Granit, der die Grundlage eines jeden Tores darstellt, bildet zunächst das uniforme Fundament, das seine Variation auf der handwerklichen Ebene erfährt, indem Breivik den Stein an manchen Stellen poliert, dann aber wieder große Teile unbearbeitet lässt oder gewisse Partien nachträglich anraut.

 

Kuben, Oslo 2011 Illustrasjon hentet fra boken Bård Breivik; I'd love the key to the master lock Jorunn Veiteberg og Rita Leppiniemi (red.) Fagbokforlaget 2016

© Kuben, Oslo 2011
Illustrasjon hentet fra boken
Bård Breivik; I’d love the key to the master lock
Jorunn Veiteberg og Rita Leppiniemi (red.)
Fagbokforlaget 2016

Kuben, Bergen 2010 Illustrasjon hentet fra boken Bård Breivik; I'd love the key to the master lock Jorunn Veiteberg og Rita Leppiniemi (red.) Fagbokforlaget 2016

© Kuben, Bergen 2010
Illustrasjon hentet fra boken
Bård Breivik; I’d love the key to the master lock
Jorunn Veiteberg og Rita Leppiniemi (red.)
Fagbokforlaget 2016

 

Ein konsekutives Exempel dieser Art von Vielfalt, stellt die Edelstahlkonstruktion „The Cube“ dar: In jeder sichtbaren Fläche der kubischen Skulptur wird eine mathematische Gleichung thematisiert und umgesetzt. Das markant glänzende Kunstwerk spricht aber auch einen Kritikpunkt an, der sich in vielen Werken Breiviks wiederfindet, dabei geht es besonders um einen Kommentar zur alltäglichen Architektur, welche zu oft in der Erstellung bedeutungsloser Hüllen ihren finalen Ausgang findet. Breiviks Kreationen stehen dazu im Kontrast, denn seine Kunstwerke verbinden Funktionalität mit Individualität; sie gehen nicht in der Masse unter und sind bedeutend: Handwerk und Material werden mitunter um kulturelle Aspekte erweitert.

 

In seiner Serie Score for a Longer Conversation werden in 500 länglichen Objekten kulturelle Hintergründe dargestellt und nachvollzogen. Die Selektion von Material und das Handwerk bei der Oberflächenbearbeitung visualisieren interkulturelle Diversitäten, wobei die gleichbleibende Grundform, eine gewisse Verbundenheit formuliert.

Score for a longer Conversation

Die Vielfalt von Material, Form und Größe unter dem Einwirken der handwerklichen Beschaffenheit, die sich aus dem Werk Breiviks ergibt, zeichnet ihn als einzigartig kreativ aus. Ob durch seine Vorlesungen oder Skulpturen hinterlässt Breivik Spuren, welche seine vielseitigen Interessen reflektieren und zugleich ein Exempel für die moderne Konzeptionskunst statuieren.

 

Mehr zur Kunst von Bård Breivik.

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