Teil 1: Die Geschichte der Weiblichen Bademode

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Nach dem Untergang der freizügigen Badekultur im Römischen Reich und einer kurzen Renaissance im Mittelalter wurde das öffentliche Bad erst im Zuge der Aufklärung und der verbesserten Hygiene wieder eingeführt. Wegen der Schwierigkeit der Geschlechtertrennung und der vorherrschenden Moralvorstellungen entwickelte sich im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit einer einheitlichen Bademode, die zum ersten Mal alle Klassenunterschiede aufhob.

Verhüllung des gesamten Körpers im 18. Jahrhundert

Während die Frau früherer Epochen das Bad nur mit einer ausgefallenen Kopfbedeckung bestieg, wateten die Damen im 18. Jahrhundert mit ihren Seidenkleidern und Spitzenkragen im seichten Wasser kleinerer Seen und benetzten ihre Knöchel. Mediziner forderten die Errichtung von Badeanstalten nach englischem Vorbild zur „Entwicklung des natürlichen Menschen“ und dessen direkten Bezuges zur Natur. Der satirische Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg nahm dazu 1793 im Göttingischen Taschenkalender Stellung: „Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad?“ Als der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland seinen Antrag unterstützte, um den Exodus der Kur-Elite zu verhindern, wurde noch im selben Jahr das erste deutsche Seebad Heiligendamm an der Ostseeküste eröffnet, das die Voraussetzung für die Entstehung eines Badekostüms schuf.

Korsett und Leibwäsche im 19. Jahrhundert

Die gesellschaftliche Rolle der Frau, die im preußischen Königtum in einem auf den angetrauten Ehemann fixierten Familienleben bestand, spiegelte sich in der keuschen Bademode wider, die durch das Korsett und ein der aktuellen Leibwäsche nachempfundenes Badekostüm aus Leibchen, Mieder und knöchellangem „Beinkleid“ dominiert wurde. Selbst in Schwimmhallen für Damen galt diese Bekleidung, die mit schwarzen Strümpfen, gestrickten Badeschuhen und einer Netzhaube aus Wachskattun kombiniert wurde, als eiserne Pflicht. Am Strand gehörte neben einem Strohhut auch ein mit einem Gürtel gehaltenes Cape aus Biber oder Flanell, der Vorläufer des Bademantels, zur

Grundausrüstung. Durch teilweise eingenähte Gewichte, die die Röcke im knietiefen Wasser in Form halten sollten, war das Schwimmen im Badekostüm nahezu unmöglich und manche Frau musste gerettet werden. Außerdem trockneten die derben Stoffe wie Perkal oder Serge nur langsam und bleichen durch Sonne und Wasser rasch aus.

Siehe auch:

Teil 2

Teil 3

Bildquellen

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