Kanjo Také – Essenzen bildnerischen Seins und Wirkens

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Er zählt zu den großen Ausnahmekünstlern des 21. Jahrhunderts: Das klassische Instrumentarium der Fotografie nutzend, leitete er nicht nur eine vollkommen neue bildnerische Ära ein, sondern generierte auch eine Kunstform, deren gestalterische Substanz in eine hochkomplexe metaphysische Dimension hineingreift und den Werken damit einen Nimbus verleiht, der eine bildgenealogische Klassifizierung und Zuordnung unmöglich macht.

Kanjo Také @ Richard Rilinger

Geprägt sowohl vom Erbe des japanischen als auch des deutschen Kulturkreises, zeichnen sich in Kanjo Takés Werkkompendium konkrete thematische Momente ab, wie etwa die Welt des Manga oder Motive, die das Kabuki-Theater auszeichnen. Ähnlich einem immer wiederkehrenden Mantra taucht in seinen Arbeiten wie ein festigender Solitär der Fujiyama, der heilige Berg Japans auf: Dieses Symbol der Ewigkeit implantiert Take gern in dadaistischer Manier wie eine humoristische Insignie in seine Bildkompositionen. Auf den ersten Blick zumeist vollkommen unscheinbar oder nur dezent positioniert, wie beispielsweise in der Arbeit Perla, wirkt er – sobald man ihn entdeckt hat – wie ein anziehender Pol. Inmitten der Landschaft aus feinsten Dessous, die Take als poetisch anmutende Hügellandschaft in Szene setzt, bäumt sich mit der deutlichen Zeichensetzung des Fujiyama der Kontrapunkt männlicher Signifikanz zum sinnlichen Panorama weiblicher Attribute auf.

„Silvercloud”, Fine Art Print auf Aludibond hinter Acrylglas, 2015 @ Galerie Shia Bender

Stets sind Kanjo Takés Werke von einer magischen Bildwirkung, die er auch durch die alleinige Artikulationskraft der Farbe auszulösen vermag, wie etwa im Werk Roses. Hier baut der Künstler eine regelrechte Farbemanation einzelner Rosenblüten auf, deren tiefendimensionale räumliche Wirkung aus der virtuos gesetzten Farbklaviatur selbst hervorgeht. Die gesamte Farbkomposition agiert in leisen, aber unglaublich intensiven Tönen, deren reiches Nuancenspiel, das sich auf einem strengen geometrischen Raster aufbaut, eine alles befreiende Vitalität entfaltet. Diese alles durchdringende und vibrierende Vitalität, die wie eine unversiegbare bildnerische Lebensenergie das Werkkompendium Takés durchzieht, ist ein Wesensmerkmal und Teil seiner Bildgenetik.

„Roses“ Fine Art Print @ Kanjo Také

Die gestaltende Motorik malerischer, fotografischer, grafisch-zeichnerischer Prozesse bilden die virtuos ineinandergreifenden Intonationen in Takés Werken, welche auf großen, raumergreifenden Bildflächen ihre Entfaltung finden. Kanjo Také baut durch seine feinst verwobenen Kompositionsstrukturen sowie zeichenhaft in Szene gesetzten Figurationen eine übergeordnete Metaebene auf. Figurationen treten unter anderem in der Gestalt von Tänzerinnen, Geishas, Aktmodellen, Manga-Mädchen auf oder sind Motive sowie Symbole mit einem narrativen Habitus, wie etwa das implodierende metaphysische Ei in der Arbeit Eicolor oder das in Flammen aufgehende Geld, als Impuls unseres Werteverständnisses, das allem voran an die unbeschränkte Macht des Kapitals gebunden ist. Ebenso wird dem Mikadostab eineneue semantische Zuordnung verliehen: Dem Spieler verlangt er eine ruhige und höchst konzentrierte Bewegung ab, wohingegen er in der Hand der Protagonistin zum Speer avanciert sowie zugleich zur Achse ihres Feuertanzes wird, der ein archetypisches Ritual heraufbeschwört, ähnlich dem Danza ritual del Fuego des Komponisten Manuel de Falla.

„Madonna Triptychon“ Fotocollage/Fine-Art-Print @ Kanjo Také

Die Metaebene verbirgt einen schöpferischen Geist – eine Art übergeordnete Sphäre, deren innewohnende Bildenergetik und -dramaturgie immer wieder neue Erschließungsperspektiven für das Auge des Betrachters bieten. Durch diesen Vorgang, der die Rezeption von Takés Werken maßgeblich beeinflusst, kann der Betrachter der Werke nie davon ausgehen, sie in ihrer kompositorischen Gesamtheit wirklich begriffen zu haben. Im Gegenteil – kaum folgt man der Annahme, Strukturen des Werkes intellektuell und emotional erfasst zu haben, eröffnen sich nach einer gewissen Zeit trotz der Nähe und Vertrautheit zum Bild „ungesehene“ Dimensionen, die zwar keine Revision des Sehens evozieren, aber dazu führen, bereits „verstandene“ Strukturen neu zu lesen. So erscheint es, dass sich das Bild immer wieder aufs Neue erfindet. Dieser Prozess, der der Kunstwahrnehmung eine durchaus revolutionäre Syntax verleiht, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass dem Werk selbst eine starke evolutive Kraft innewohnt, die jeder Arbeit eine tiefgründige Lebendigkeit verleiht. (ao)

ADRESSE

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shia@kunstraum49.com

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