Lange Jacketts aus hochwertigem Tweed in Grau- und Brauntönen, perfekt abgerundet von stimmigen Accessoires: seidenes Halstuch, Schiebermütze, ebenfalls aus Tweed. Eine Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Ein kurzes arhythmisches Standkonzert sonorer Motoren, und mit einem letzten formvollendet-freundlichen Gruß fahren sie davon, in ihren Bugatti Type 57S Gangloff Coupé, Mercedes Benz S Barker Tourer oder Auburn 12-165 Speedster. Elegance in Motion. Das ist der Concours d’Élegance, eine fast schon wehmütige Hinwendung zu vergangenen Zeiten und deren Ikonen: dem Gentleman und dem Oldtimer. So, God bless the good old times. We all need the good old times.

Wir blicken zurück, mit dem verklärten Blick des Korrektivs unserer vom Stress geprägten Zeit, in der eine kleine Höflichkeit schon teuer zu stehen kommen kann. Wenn etwa das zuvorkommende Beschleunigen auf der Überholspur der Autobahn, um dem rechts fahrenden Wagen den Spurwechsel zu erleichtern, schon einmal in der Radarfalle endet. Winkte der Gentleman einst den Fußgänger galant über den Zebrastreifen, gerät heute dabei der Verkehrsfluss ins Stocken. Allerdings tut er das so oder so, wenn der Fußgänger selbst entschlossen von seinem Vortrittsrecht Gebrauch macht und den Autofahrer notfalls auch zu einer Vollbremsung veranlasst. Anstand, Höflichkeit, Zuvorkommenheit bleiben dabei auf der Oldtimer-Strecke des Concours de Rudesse. Die Verkehrsdichte, die Technik – ein Nachgeben im Straßenverkehr kostet eben Zeit, die sich nicht mehr aufholen lässt. Statt freundliches Einspurenlassen ziehen sich die Überholmanöver unendlich in die Länge, da der Fahrer links knapp drei km/h schneller ist als der auf der rechten Spur, und dies konstant, dank der elektronischen Ausrüstung. Symptomatisch für unsere Zeit, in der sich jeder durchsetzt und sich gleichzeitig im Fluss des Mainstreams selbst blockiert. Es geht einfach nur ums Überleben in einer immer schnelllebigeren Zeit.

Oldtimer-Races_The-Good-old-times

Dabei könnte die Gentleman’s Attitude nicht nur zielführend, sondern für alle Seiten angenehmer sein. Im Umgang mit Herausforderern, egal auf welchem Parkett, und auch im Umgang mit Frauen.
Gentleman zu sein ist eine Attitüde. Eine Haltung, eine Einstellung. Ein Gentleman ist Herr über sein eigenes Handeln und fähig, dieses Herrentum in seinem Benehmen zum Ausdruck zu bringen. Er bedient sich sogar, wenn er alleine ist, einer Zuckerzange und würde niemals jemanden unabsichtlich beleidigen. Er macht sich in keiner Weise abhängig und ist weder Personen noch Meinungen noch dem Reichtum dienstbar. Allein die Herausforderung lässt ihn das Beste aus sich hervorbringen. Der Gentleman ist die Person gewordene Eleganz. Freiheit und Ökonomie ins Sichtbare übertragen. In schwierigen Situationen Leichtigkeit und Ungezwungenheit demonstrierend. Finden, ohne den Anschein zu erwecken, gesucht zu haben. Wissen, ohne offenzulegen, dass man gelernt hat.

Er tritt eher als ein Dandy als ein Playboy auf, kultiviert seine Kleidung, sein Auftreten, Witz und Bonmot. Simply a patient wolf, wie Lana Turner die Qualitäten des Gentlemans auf den Punkt brachte.
Er ist ein Mann, der einer Frau gegenüber nicht aus dem Rahmen fällt, auch wenn er über sie im Bilde ist, der unter anderem die Fähigkeit besitzt, sich mit Würde betrügen zu lassen, der in einem überfüllten Bus niemals sitzen bleibt, ohne eine Frau auf den Schoß zu nehmen und der sich nur ein Geschenk im Laufe der Zeit zurückholt: den Lippenstift, wenn er nach einer Spritztour in seinem Ferrari 335 Sport Scaglietti Spyder in einer einzigen eleganten, fließenden Bewegung das Gesicht seiner Begleiterin an seines heranzieht.

In diesem Augenblick wird das Bild dunkler, verengt sich kreisförmig auf die Bildmitte mit den sich zärtlich berührenden Lippen, bis es völlig ins Schwarze ausblendet. The End. Wir bleiben wehmütig zurück. Doch auf dem nächsten Concours d’Élegance sehen wir sie alle wieder: die formvollendeten Oldtimer und Gentlemen und ihre schönen Begleiterinnen.

 

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