Zwar strahlt der Turmalin nicht im feurigen Rot eines Rubins, auch schimmert er nicht so blau wie ein Saphir und strahlt nicht im Grün eines Smaragdes, doch dem Turmalin sind ganz eigene Wesenszüge zuteilgeworden. Über die Dauer seiner Existenz hat er für manche Verwirrung gesorgt und so manchen Betrachter verzaubert und in seinen Bann gezogen, dabei gilt der Stein erst seit Beginn des 18. Jahrhunderts als eine eigenständige Edelsteinklasse.

Das Chamäleon – Aus Täuschung erhob sich Diversität

Oft wird der Turmalin heutzutage auch der „Chamäleon-Edelstein“ genannt. Diese Bezeichnung spiegelt einige Aspekte, die der Stein in seinem Wesen vereint, wider. Bereits im russischen Zarenreich sorgte ein roter Turmalin über Generationen hinweg für Verwirrung und täuschte seine adeligen Besitzer. Denn dieser sich im Zarenschatz befindende Turmalin erstrahlte in einem Rot von solcher Intensität, dass er ohne jeden Zweifel für einen Rubin gehalten wurde. Dieser vermeintliche Rubin wurde über Jahrzehnte vererbt, bis sich schließlich herausstellte, dass es sich nicht um einen echten Rubin handelte…

Paraiba Minerals @Thomas Jirgers Juwelenschmiede

Geschichten, wie eben diese, in denen ein Turmalin zum Protagonisten befördert wird, sind nicht untypisch für die Historie des Edelsteins. Seit Anbeginn seiner Entdeckung wird der Turmalin mit anderen farbigen Edelsteinen verwechselt. Doch wie kann es sein, dass ein Edelstein sowohl einem Rubin als auch einem Saphir zum Verwechseln ähnlich sehen kann?

Auch dieser Aspekt erwächst aus einer berühmten Eigenschaft des Steins, aus welcher der Name „Chamäleon-Edelstein“ resultiert. Der Turmalin gilt als ein exzellentes Exempel für das Phänomen des Pleochroismus. Dieses bezeichnet die farbliche Veränderung eines Steines je nach Betrachtungswinkel. Diese Eigenschaft macht den Turmalin zu einem Edelstein von maximaler Diversität, denn selten ist ein Edelstein in einem solch breiten Farbspektrum vertreten: In über einhundert verschiedenen Farbtönen sind Turmaline uns heute bekannt. Die Tatsache der Vielfalt des Turmalins und dass er je nach Betrachtungswinkel seine Farbe verändern kann, sind ebenfalls dafür verantwortlich, dass dieses Mineral einen Beinamen aus der Fauna erhalten hat.

Auch in seinem wirklichen Namen spiegelt sich der Pleochroismus wider, denn der aus Sri Lanka stammende Stein hat zwei Bedeutungen in der Landessprache. Zum einen dient das singhalesische Wort „thuramali“ als Namensgrundlage. Dies bedeutet ungefähr so viel wie ‚bunte Steine‘, was gleichzeitig eine Bezeichnung für alle farbigen Steine war, die in Sri Lanka gefunden wurden. Das zweite, ebenfalls singhalesische Wort, das dem Namen innewohnt, ist „thoramalli“, was so viel wie ‚aus der Erde‘ bedeutet. Zusammen ergeben sie den Namen Turmalin, der nun mit ‚bunter Stein, der aus der Erde stammt‘ übersetzt werden könnte. Die Eigenschaft der hohen Farbdiversität ist dem Turmalin seit seiner Entdeckung inhärent. Erst 1707 wurde der Turmalin in Europa erstmals schriftlich belegt, wobei seine Nomenklatur erst 1711 offiziell Einzug erhielt und der Stein als eigenständiger Edelstein angesehen wurde.

Ein Stein mit verborgenem Talent

Der Turmalin ist ein Stein, der in der heutigen Zeit immer noch technische Anwendung findet. Während niederländische Seemänner die piezo- und pyroelektrischen Effekte des Steines nutzten, machten sie die Nachwelt auf eine entscheidende Eigenschaft des Turmalins aufmerksam. Durch Reiben kann der Stein polarisiert werden, was bedeutet, dass ein Ende einen negativen Pol, das gegenüberliegende einen positiven Pol aufbaut. Mithilfe dieser pyroelektrischen Energie reinigten damals die niederländischen Angestellten der East India Trading Company ihre Pfeifen von Ascheresten. Heute kommt dieser Effekt vor allem in der Elektronik zum Einsatz.

Die Farbe eines Turmalins wird von der Zusammensetzung und dem mineralischen Einfluss bestimmt. So kann ein Turmalin auch zwei Farben gleichzeitig haben, wie zum Beispiel einen roten Körper, der von einer grünen Spitze geziert wird. Heute sind die Hauptabbaugebiete des Turmalins südamerikanische Länder wie Brasilien, doch vor allem kommt er in der afrikanischen Hemisphäre vor. Neben Afghanistan zählen Kenia, Nigeria, Tansania, Madagaskar, Malawi und Mosambik zu den wichtigsten Exporteuren. Der transparente Stein taucht am häufigsten in den Farben Schwarz, Pink, Blau, Grün, Rot und Braun auf. Neben Mischtönen aus dem eben genannten Spektrum kann es auch zu der erwähnten Duplizität kommen, unter deren Einfluss der Turmalin zwei Farben gleichzeitig besitzen kann.

Paraiba @Thomas Jirgers Juwelenschmiede

Die spezielle Kraft des Turmalins

Turmaline muten nicht nur schön und edel an, sondern es verbirgt sich hinter der bunten Vielfalt ein noch viel größeres und schöneres Geheimnis, das den Stein noch wertvoller macht, als er durch seine bloße Optik ohnehin schon ist: Eine heilende Energie, die dem Turmalin inhärent ist. Allgemein jedoch gilt zu bemerken, dass jedem Turmalin eine Kraft innewohnt, die sich deutlich positiv auf die Psyche auswirkt. Durch seine belebenden und aufbauenden Energien ist der Turmalin eine spürbar positive Kraft, was die psychische Wirksamkeit anbelangt. Ebenfalls sorgt der Stein in seiner ganzen Vielfalt für eine stringentere Zielsetzung: Der Turmalin stärkt den Geist, indem er die harmonischen Komponenten im Leben fördert und deutlicher zutage treten lässt, während er ebenfalls das Streben nach Klarheit im Leben deutlich unterstützt. Diese einzigartigen Eigenschaften führen zu einem besseren Lebenswandel: Der Einfluss auf Entwicklungen und Prozesse im eigenen Leben wird erhöht sowie die Zufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Leben gesteigert.

Paraiba Cabochon @Thomas Jirgers Juwelenschmiede

Eine Besonderheit: der Paraiba-Turmalin

Diese Variation des Turmalins stammt ursprünglich aus dem brasilianischen Bundesstaat Paraiba, der auch verantwortlich für dessen Nomenklatur ist. Seit den 80er-Jahren gehört der Paraiba-Turmalin zu den gefragtesten Vertreten der Turmalin-Familie, was vor allem dadurch begründet wird, dass er im Gegensatz zu anderen Turmalinen kein Chamäleon darstellt, sondern ein Stein mit vollkommen eigenen Anreizen ist. Seine einzigartige Farbgebung macht ihn zu einem wahren Juwel, selbst unter gemmologischen Maßstäben: Die prächtigen Neonfarben reichen von einem belebten Grün-Blau über ein glasklares Blau, das in seiner Reinheit unübertroffen scheint bis zu einem Lila-Blau-Ton, der in seiner Pracht noch immer seinesgleichen sucht. Zu seiner Farbvollkommenheit gesellt sich das Maß an Transparenz, welches den Paraiba als unverwechselbaren Vertreter seiner Gattung erstrahlen lässt: Der klare Schein und eine hohe Brillanz bestimmen den Wert des Paraibas und sind die dominanten Qualitätsmerkmale.
Dabei ist die Kunst, einen Paraiba zu schleifen, eine Herausforderung, der nur wenige gewachsen sind: Der Pleochroismus macht den perfekten Schliff für Laien nämlich unmöglich. Selbst Meister mit Jahrzehnten an Erfahrung scheitern oft an den inneren Spannungen und prismatischen Eigenschaften des Edelsteines. Ist der Schliff jedoch geglückt, strahlt der Paraiba in seiner einzigartigen Farbgebung so wie kein anderer Edelstein dies je zustande bringen könnte, was diese Turmalin-Variation zu einem singulären Phänomen in der Natur und Gemmologie macht.

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