Der Zuckerrohrbrand, einst Währung der Freibeuter, Sklavenhändler und Kolonialmächte, erfährt heute eine Renaissance in einem immer größer werdenden Liebhaberkreis. Als Basis vieler Cocktail-Klassiker sorgt der Rum für subtile Noten und karibisches Lebensgefühl. Feine Rums, pur getrunken, öffnen dem Connaisseur eine facettenreiche aromatische Fülle wie keine andere Spirituose.

Jahrelange Reifung

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Frisch destillierter Rum ist noch nicht genießbar; er ist geschmacklich roh und wird erst durch eine oft jahrelange Reifung, meist in Eichenfässern, harmonisiert. Üblicherweise brennt man die Fässer – einmal benutzte Bourbon-Fässer aus amerikanischer Weineiche – aus, wobei durch die karbonisierte Innenseite des Fasses aggressive Noten des frischen Brandes aufgenommen werden. Die geschmackliche Prägung des Rums, etwa durch Vanille- und Gewürznoten, die dem Fass anhaften, sowie die Färbung des Rums sind zentrale Aspekte der Fasslagerung. Während ein Teil des Alkohols aus dem Rum verdunstet, beginnen die Luft, der Alkohol und das Holz zu interagieren und führen zu gänzlich neuen Aromen, die von Kokosnuss, Schokolade oder Orangenschalen geprägt sein können. Aufgrund der hohen Temperaturen in der Karibik reichen wenige Jahre der Fassreife, um den Rum genussfertig zu machen. Ein Jahr der Lagerung in feuchtheißen Gebieten entspreche drei Jahren in Schottland, lautet die Faustregel.

Geschmack, Farbe und Stärke

Der endgültige Geschmack, die Farbe und Stärke der Flaschenabfüllung liegen jedoch in den Händen des Master Blender, des Blendmeisters, der ganz seiner Erfahrung und seinem Geruchssinn vertraut. Um eine über  Jahre hinweg in sich stimmige und gleich bleibende Qualität liefern zu können und oft auch um die Komplexität der Rums zu steigern, werden die Inhalte vieler Fässer und Altersstufen verschnitten. So kann es passieren, dass ein paar Tropfen eines sehr alten Rums, der unverschnitten nicht genießbar wäre – weil er etwa Noten von frischem Lack verströmt – im Verschnitt gänzlich neue Qualitäten entwickeln und Düfte von Ananas und Blüten freisetzen.

Vielfältige Geschmackseindrücke

Der Genuss von Rum gehört zu den vielseitigsten Erfahrungen, die man mit Spirituosen machen kann; kaum ein Alkohol verfügt über ein derartiges Sortenspektrum, über so vielfältige Geschmackseindrücke. Er kann schwer und körperreich sein, von dunkler Farbe durch lange Fasslagerung oder farblos und leicht mit den Noten von Zuckerrohrsaft. Mit etwas Wasser verdünnt werden wieder neue Aromen wahrnehmbar: der Geruch tropischer Früchte,Vanille, Muskat. So facettenreich die Länder seiner Entstehung sind, so komplex sind die erlebbaren Genussmöglichkeiten. Rum ist aber ebenso die perfekte Basis für einen Cocktail: Juleps, Punches und Daiquiris bekommen durch die süßliche Rumnote einen ganz eigenen Charakter und der Genuss einer leichten – karibischen – Zigarre zum Rum führt zu einem Erlebnisgeschmacklicher Vollkommenheit.

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