Teil 2: Zwischen Schamgefühl und Lebenslust – der Einteiler im 20. Jahrhundert

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Die Befreiung der Frau aus dem züchtigen Wasser-Kostüm leitete die australische Vorkämpferin für das Frauenschwimmen Annette Kellermann Anfang des 20. Jahrhunderts ein:

 

 

 

 

Trotz kompletter Körperbedeckung wurde die Schwimmerin 1907 am Strand von Boston wegen „anstößiger Enthüllungen“ verhaftet, da ihr zweckmäßig enganliegender Badeanzug in nassem Zustand ihre femininen Formen offenbarte. Erst der Zusammenbruch des Kaiserreiches und dessen gesellschaftlicher Moralvorstellungen nach dem Ersten Weltkrieg ebnete den Weg für den ersten figurbetonten, nicht transparenten

Einteiler, der ein vollkommen neues Feld der textilen Branche eröffnete. In den „Wilden Zwanzigerjahren“ wurde mit Einführung des Trikots mit freien Armen und bis zum Knie bedeckten Beinen ein Meilen-stein in der Bademode gesetzt. Das Zeigen von Bein, das jahrhundertelang als Tabu galt, enthüllte erstmals das Geheimnis femininer Körper und bildete die Basis moderner Selbstverwirklichung. Eine neue Dimension erotischer Weiblichkeit präsentierte der „Ball der Bälle“ im Berliner Sportpalast (1926), der mit einer dionysisch verruchten Badekollektion als Vorläufer der berühmten „Riviera-Mode“ (1929) als Vorbild aller Bademodenschauen überhaupt gilt.

Auf hochhackigen Schuhen, in Strapsen, Seidenstrümpfen und mit einer Verlängerung der Träger als Oberteil präsentierte die „Königin der Ostsee“ ein „Apres-Bath“ berauschender Sinnlichkeit. Gegen den „Sittenverfall“ schritt die preußische Regierung mit dem „Zwickelerlass“ vom 18. August 1932 ein. Frauen dürfen nur dann öffentlich baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist.

Nach dem Zusammenbruch des „Tausendjährigen Reiches“ wurde das „Zentimetermaß“ aufgehoben und die amerikanischen Vorbilder der Siegernation prägten über Generationen die deutsche Bademode.

 

 

Teil 1

Teil 3

 

 

 

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