Kaum ein Liebhaber der edlen Champagner wird es sich nehmen lassen, in das Land der Entstehung dieser edlen Tropfen zu reisen und inmitten der äußerst reizvollen Landschaft vor dem Hintergrund großer geschichtlicher Zeugnisse das Getränk vor Ort zu genießen.

Champagne_1© Comité Regional du Tourisme de Champagne-Ardenne
Assoziativ stark an das weltberühmte Getränk geknüpft, ist die Champagne dennoch weit mehr als nur die Wiege des berühmtesten Schaumweines: Die vielschichtige Gegend im Nordosten Frankreichs ist geprägt von ergreifender Schönheit anmutiger Landschaft, von extensiver landwirtschaftlicher Produktionsweise und einer erhabenen kulturellen Identität. Die schon von den Römern besiedelte Stadt Reims war jahrhundertelang Ort der Krönungen französischer Könige; ihre Kathedrale Notre-Dame ist der Inbegriff gotischer Kirchenbaukunst.
Und während des ersten Weltkriegs verlief die hart umkämpfte deutschfranzösische Front in unmittelbarer Nachbarschaft, was dazu führte, dass die Soldaten die Champagnervorräte in den Kreidekellern unter der Stadt dezimierten. Die heute als Champagne-Ardenne bezeichnete beschauliche Region ist im Verlaufe ihrer Geschichte Schauplatz so vieler blutiger Kampfhandlungen gewesen wie kaum eine andere Gegend in Europa. Im Jahre 57 v. Chr. kamen die Römer und eroberten Gallien; am 21. September 451 versammelte Attila seine Armee in der Champagne und 200 000 Männer starben bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Später zogen der Hundertjährige und der Dreißigjährige Krieg, die spanischen Erbfolgekriege, der Erste und der Zweite Weltkrieg über die Gegend hinweg und hinterließen ein Bild der Verwüstung. Doch immer wieder verstanden es die Champenois, ihr Land wiederherzustellen, so dass die eigenartige Ironie der Geschichte darin besteht, dass gerade die Champagne, das Stückchen Land, das wie kein zweites von Blut getränkt ist, der Geburtsort für den Wein ist, der weltweit als Symbol für Freundschaft und Feierlichkeit gilt. Das Gebiet der Champagne, das sich im Norden von den Ardennen an der belgischen Grenze über Reims und das Marne-Tal bis nach Troyes im Süden über eine Länge von etwa 200 km erstreckt, ist äußerst dünn besiedelt und vor allem naturräumlich geprägt. Riesige Getreidefelder wechseln sich ab mit sanften Hügeln, großen Wäldern, verschlungenen Flussläufen, langen Kanälen und großen Stauseen. Der Naturpark „Reimser Gebirge“ zwischen der alten Bischofsstadt und dem südlicheren Epernay bietet auf 500 qkm ein Paradies für jeden Naturbegeisterten: Pittoreske Dörfer mit Weihern, umgeben von Wald und Weinbergen, und nicht zuletzt die grandiose Aussicht über das Tal der Marne bieten vielfältige Erholungsmöglichkeiten. Die Champagne ist die blumenreichste Region Frankreichs und überrascht die Besucher mit reich geschmückten Häusern. Die einmaligen „Faux de Verzy“, die bizarren Buchen in der Montagne de Reims, bei denen selbst die Wurzeln in den Himmel zu wachsen scheinen, stellen eine weitere Kuriosität dar. Troyes, eine andere römische Stadtgründung, ist nicht weniger reizvoll als Reims, doch hier fehlt die alles überstrahlende Stadtkrone in Form der Kathedrale; die Stadt lag günstig an den Handelsstraßen, die die Nordsee mit dem Mittelmeer verbanden, und es Troyes, eine andere römische entstand ein wichtiger europäischer Marktplatz für Tuchwaren und Seide. Reiches Mäzenatentum und die Erlöse des Handels führten zu einer Konzentration vieler Baumeister, Holzschnitzer und Glasbläser ihrer Zeit, die der Stadt mit den „hundert Türmen“ bald den Ruf eines „zweiten Rom“ einbrachten. Heute ist Troyes Zentrum der Wirkwarenindustrie und eine bedeutende Kunststadt. Ganz in der Nähe wurde im Jahre 1115 in Clairvaux die erste Zisterzienserabtei von jenem Bernhard v. Clairvaux gegründet, der nicht nur zur Rückbesinnung auf die Regeln des Benedikt aufrief, sondern der auch den Anstoß zum zweiten Kreuzzug gab, der so viele Menschen das Leben kostete. Heute lagern in den Kreidekellern der Champagnerstädte unglaubliche Bestände an Flaschen des edelsten aller Weine. Obwohl schon die Römer 57 v. Chr. mit dem Weinanbau in der Champagne begonnen hatten, machte der Wein aus dieser Gegend dennoch erst im 11. Jahrhundert von sich reden, als der Sohn eines Winzers zum Papst gewählt worden war: Urban II. (1088–1099) machte Werbung für die Weine aus seiner Heimat. Damit begann der unaufhaltsame Aufstieg der Champagne zum Inbegriff eines Getränkes, das allzu leicht die vielen Facetten seiner Heimat zu überstrahlen droht.

Champagne_2© Comité Regional du Tourisme de Champagne-Ardenne

Die kulinarische Champagne

Die Teller (und Gläser!) der Champagne sind reich gefüllt mit Spezialitäten der Region: Die bekanntesten sind sicherlich die delikaten „Andouillette de Troyes“, die Kuttelwürste aus der Aube, die schon im Jahre 878 Erwähnung fanden und die sich einer Ursprungsbezeichnung rühmen dürfen. Oder der „Ardenner Schinken“ und der „Jambon de Reims“, die gerne als Vorspeisen serviert werden. Seit 1790 kennt man die erst gekochten, dann panierten und überbackenen Schweinsfüße „Pieds de cochon de Sainte-Ménehould“. Da es in den Wäldern der Champagne-Ardenne reichlich Wild gibt, findet sich häufig Wildschwein ragout oder Rehpfeffer auf den Speisekarten. Auch die roten Truthähne aus den Ardennen waren schon auf den Tafeln der französischen Könige wegen ihres festen Fleisches und der kräftigen Schenkel beliebt. Ein Viertel der Sauerkrauterzeugung Frankreichs findet in der Brienne-Ebene in Aube statt. Das Kraut wird entsprechend klangvoll „Champagnerkraut aus Brienne- le-Chateau“ genannt. Auch die rosa Linsen „Lentillon de Champagne“ sind eine Besonderheit der regionalen Küche. Der Abschluss eines Mahles kann von den A.O.C.-Käsesorten Langres (Haute-Marne) oder Chaource aus Mussy in Aube begleitet werden. An Süßspeisen herrscht in der Region kein Mangel; am berühmtesten ist wohl der rosa Biskuit aus Reims, der von einem Bäcker erfunden wurde, der mit der Restwärme des Ofens ein weiteres Mal backen und der die schwarzen Vanillepigmente in den Biskuitstangen verbergen wollte. Heute stellt die Region mit Pascal Caffet einen der größten Konditoren und Schokoladenkünstler Frankreichs.

Reben© Fotolia © Tom Oliveira

Wasserstrassen

600 km schiffbare Wasserläufe laden dazu ein, die Region aus einer ganz anderen Perspektive kennen zu lernen. Die Bandbreite der Schiffe reicht von Ausflugsschiffen bis zu führerscheinfreien Motorbarken oder den typischen Pénichette- Hausbooten, die es jedem ermöglichen, die Mäander der Meuse oder die Weinberge der Marne zu durchkreuzen.

Links
www.assiettechampenoise.com Spitzenhotel mit Sternegastronomie
www.lescrayeres.com Restaurant ‘Relais Gourmand’ und Hotel in einem Park
www.tourisme-champagne-ardenne.com Mehrsprachige Seite des Tourismusbüros der Region
www.aube-champagne.com Mehrsprachige Informationsseiten mit Veranstaltungskalender und Hotelsuchfunktion
www.frankreich-info.de/reisen/champagne Allgemeine Reiseinformationen, Buchungen von Hotels, Mietwagen, Hausbooten etc.
www.frankreich-ratgeber.de Champagne-Ardenne Übersichtliche Informationen zu Geografie und Geschichte
www.maison-de-l-outil.com

Notre-Dame© Fotolia © Jean-Charles Federico

REIMS

Seit der Bronzezeit ist der östliche Teil des Pariser Beckens besiedelt; am Ufer der Vesle gründeten die
Kelten eine städtische Siedlung, die von den Römern Remorum genannt wurde, das heutige Reims. Die Stadt erlangte in spätrömischer Zeit rasch eine überregionale Bedeutung als Bischofssitz: Chlodwig I. ließ sich hier taufen, Ludwig der Fromme wurde hier 816 vom Papst zum Kaiser gekrönt und vom 12. bis zum 19. Jahrhundert fanden fast alle Krönungen der französischen Könige in der Kathedrale Notre-Dame statt. Diese Basilika hat über Jahrhunderte als idealtypisches Beispiel das Bild französischer Gotik geprägt und war mit ihrer einmalig aufgelösten Westfassade, der neuartigen Maßwerkrosette und der Königsgalerie in 50 m Höhe Vorbild für viele nachfolgende Kirchenbauten, auch für Notre Dame in Paris.

Bildquellen

  • Champagne_1: Comité Regional du Tourisme de Champagne-Ardenne
  • Champagne_2: Comité Regional du Tourisme de Champagne-Ardenne
  • Reben: Fotolia © Tom Oliveira
  • Notre-Dame: Fotolia © Jean-Charles Federico
  • Champagne_3: Fotolia © Reinhard Sester
Share.

Leave A Reply