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Heutzutage ist er schon beinahe als reiner Verkleidungsartikel diffamiert, doch das war nicht immer so. Der Hut war in seiner Vergangenheit stets ein treuer und in multipler Hinsicht praktischer Begleiter. Unter dem Männerhut verbirgt sich eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, dabei spielen Zweckmäßigkeit, Stil und soziale Hintergründe bedeutende Rollen.

Die Kopfbedeckung hat bereits vor über 5000 Jahren ihren Weg in die Geschichtsbücher gefunden. Damals war der Hut ein exklusives Kleidungsstück für Männer in hohen Ämtern, seine Funktion bestand darin, den Stand der Herrschenden zu markieren. Der Hut wurde demnach zunächst zu einem Symbol für die Stellung des Trägers in der Hierarchie.

Auch im alten Rom änderte sich dies wenig: Es war ausschließlich freien Männern gestattet, von einem Hut Gebrauch zu machen. Bis ins Mittelalter hinein ist die symbolische Leistung des Hutes für die gesellschaftliche Ordnung zu beobachten: So kennzeichnet er die Zugehörigkeit eines jeden zu den Ständen Klerus, Adel oder Bauerntum. Erst mit dem 17. Jahrhundert gewann dann schließlich auch der modische Aspekt der Hüte an Importanz. So entstanden breitkrempige Herrenhüte aus Biberfilz, Schlapphut-Modelle sowie auch steifere Hutformen und sogar der Strohhut ebnete den Weg für seine Karriere.  Eines hatten sie gemeinsam, sie wurden besonders von den Herren der Schöpfung reichhaltig mit Federn oder Schmuckborten versehen.

Die Hutmode für Männer entwickelte sich vom symbolträchtigen Stilelement zu einem immer mehr modischen Accessoire. So diente der Zylinder zunächst französischen Freiheitskämpfern bei der Ausgestaltung ihrer Revolution als Zeichen für Demokratie und Freiheit, etablierte sich dann aber bis Ende des 19. Jahrhunderts als der Hut für den Mann. Dies ist auch die Zeit, die eine ganze Auswahl unterschiedlicher Modelle auf den Köpfen der Männer erscheinen lässt, so tauchen vermehrt neben dem Zylinder Hüte wie der „Homburg“, der „Trilby“ oder der „Porkpie“ auf. Diese Modelle brachten die Herrenhutmode auf ihren Höhepunkt in den 20er Jahren, in denen sich kein Mann ohne Hut auf die Straße getraut hätte. Es war die Zeit, in der man(n) über die Straßen flaniert und sich durchaus zur Schau stellen konnte; ganz nach dem Motto “Zeig‘ mir deinen Hut und ich sage dir, wer du bist.“ So stellt der Hut nun ein Accessoire dar, das nicht nur vor Wind und Wetter schützt, sondern indem sich jeder Träger seiner – eigenen Vorzüge entsprechend – einen Hut wählen und präsentieren kann.

Bis in die 60er Jahre blieb der Hut ein treuer Begleiter, doch es ist wieder einmal die soziale Signifikanz, die den Hut einholt und ihn von seinem modischen Podest verstößt. Während politische Größen wie Brandt und Chruschtschow überzeugte Hutträger waren, so kommt in Amerika nun eine neue Ikone an die Macht, welche sich barhäuptig und mit wehenden Haaren präsentiert: John F. Kennedy. Auf mehrfaches Anraten der Hutindustrie weigerte sich Kennedy dennoch, einen Hut zu tragen. Während die Konservativen von Kennedy’s „New American Style“ geschockt waren, fand das wehende Haar bei der Jugend anklang und der Untergang des Hutes als immerwährender Begleiter begann.

Der Hut wurde immer mehr mit alten, reaktionären Werten besetzt und als Symbol für die Vatergeneration abgestempelt, gegen die man sich in der 68-iger Revolution schließlich auflehnte.

Bis heute hat der Hut den Weg zu seiner Unverzichtbarkeit nicht mehr zurückgefunden, er gilt als unpraktisch in Bus, Bahn und Auto und ist als Verkleidungsartikel diffamiert worden.

Dennoch gibt es den ein oder anderen Lichtblick, Männer wie Helge Schneider, Udo Lindenberg, Johnny Depp oder Roger Cicero waren oder sind noch begeisterte Hutträger und könnten dem Hut zu alter Größe verhelfen. Wer heute einen Hut trägt, riskiert belächelt zu werden, denn eins ist klar: Der Hutträger muss ein gewisses Selbstbewusstsein unter seinem stilistischen Abschluss tragen, ein Hutträger setzt sich heute von anderen ab, er ist exklusiv und schafft einen unverwechselbaren Stil.

Bildquellen:

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