Sie ist die größte Insel, die der französischen Atlantikküste vorgelagert ist, und galt schon zur Römerzeit als eine entlegene Enklave, die der Sommerfrische bestimmt war. Diese historische Bestimmung wiederholt sich im sommerlichen Turnus, wenn französische Familien und Camper die großflächigen Sandstrände an der Südwestküste okkupieren und die Inselbevölkerung plötzlich um das 20fache ansteigt.

Sand & Meeresköstlichkeiten

Austern – Île d’Oléron

Im Gegensatz zur benachbarten Ile de Ré, die gerne von der Schickeria, Party- und Fungesellschaft Frankreichs aufgesucht wird, ist die Ile d’Oléron frei von jeglichem luxuriösen Szenegepräge. Vor allem eines hat die Ile d’Oléron zu bieten: Ursprünglichkeit, Naturbelassenheit sowie Unverfälschtheit. Wer auf Spektakuläres aus ist, hält sich hier schlichtweg auf der falschen Insel auf. Die 30 km lange und bis zu 6 km breite Insel ist über die kostenlos befahrbare Brücke Viaduc d’Oléron problemlos vom Festland aus zu erreichen. Den Beinamen »La Lumineuse« (»Die Leuchtende«) hat sie dem Golfstrom zu verdanken, dessen Einfluss ihr eine jährliche Sonnenscheindauer von bis zu 2.600 Stunden beschert. Neben weitläufigen Sandstränden, kleinen Pinienwäldern, harziger Eukalyptusluft, einfachen Dörfern mit ihren schmucken Zentren wird die Insel von drei kulinarischen Themen beherrscht, die die Sinne berauschen: Austern, Fischen und Meersalz! Austernzuchtanlagen und Salinen – die Salzgärten – ziehen sich wie eine facettierte Landschaft aus tausenden kleinen Tümpeln entlang der Route des Huîtres, nordwestlich von Château d’Oléron bis zum Ort Boyardville. Seit dem Mittelalter zählte die Salzgewinnung zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Insel. Sehenswert ist die Porte de Salines im Inland bei Grand-Village.

In den großzügigen restaurierten Salinen widmet man sich wieder der traditionellen Salzgewinnung, und ein kleines heimatkundliches Museum gewährt Einblicke in vergangenes sowie aktuelles Inselleben. Für Freunde der vielseitigen Fischküche bietet die Insel nahezu paradiesische Möglichkeiten. Um diese Seite in ihrer Mannigfaltigkeit auszukosten, ist es empfehlenswert, Fischerhäfen wie Saint-Denis, Saint-Pierre, Boyardville, Le Château oder Saint-Trojan aufzusuchen. Die Orte zeigen eine durch den unsteten atlantischen Einfluss derb gereifte Ursprünglichkeit und bieten einen lebendigen Blick auf schlichte Küchenfreuden. Hier erfährt der Geschmackssinn eine Wiederbelebung der intensiven sowie unverfälschten Nuancen des Meeres.

Fischreiche Gewässer

In pittoresk-überschaubaren Häfen wie La Cotinière, auf der Westseite, ist der Fischfang noch in seiner ganzen handwerklichen Eigenart spürbar. Im Gegensatz zu vielen Mittelmeerhäfen, in denen die farbenfrohen Kutter zusehends  eine nostalgische Staffagenrolle einnehmen, schöpft die Fischerzunft der Ile d’Oléron noch aus fischreichen Gewässern. An den Marktständen sowie in zahlreichen traditionellen Restaurants kann man sich täglich fangfrisch von der Opulenz des Atlantiks überzeugen. Auch namhafte Sternerestaurants auf dem Festland beziehen ihren Fisch aus La Cotinière.

Neben Austern, Muscheln, Langustinen, Hummern, Crevetten, grauen und roten Krabben sind unter anderem Barsch, Scholle und der Céteau – eine örtliche Seezungenart – sehr beliebt. In Deutschland als Adlerfisch bekannt ist der gewichtige Maigre, der eine stolze Länge von bis zu 2 Meter erreichen kann. Er gilt als kulinarischer Konkurrent zum Barsch und wird wie der Wolfsbarsch von den Fischern aus La Cotinière mit der Langleine gefangen. Vor dem Verkauf wird ihm die Prädikatsbezeichnung «Signé Poitou-Charentes» in die Kiemen geheftet.

Pineau des Charentes

Pineau des Charentes

Pineau des Charentes

Beliebt ist auch der Pineau des Charentes – eigentlich ein Wein, dessen Gärung durch den Zusatz von Alkohol gestoppt wurde. Dieser milde Apéritif setzt sich aus Cognac und frischem Traubensaft in einem Mischungsverhältnis von eins zu drei zusammen; vor seiner Abfüllung ruht er mindestens zwei Jahre lang im Eichenfass. In Tulpengläsern serviert, taucht er als lieblicher Begleiter von Austern und Honigmelonen auf und erwärmt so manchen unterkühlten Gaumen nach ausgedehntem Aufenthalt im aufpeitschenden Westwind.

Bilder:   © fotolia.de/Adrien Roussel; © Gérard Clavière;  © Julie Gibbons

Share.

Leave A Reply