Kaschmir – Das feine Flaumhaar der Kaschmirziege

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Kaschmir gilt als eine der wertvollsten Naturfasern, bedingt durch den extremen Aufwand der Gewinnung des „duvet“ – des feinen Flaumhaares der Kaschmirziege. Zudem gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, je nachdem, aus welchen Ländern geliefert wird, da Lage und Klima der Weideplätze entscheidenden Einfluss auf die Dichte und den Anteil des feinen Unterhaares im Ziegenvlies haben.

Ursprung

Bei der Kaschmirziege handelt es sich um eine etwa 60 cm schulterhohe Ziegenrasse mit weißer, grauer oder bräunlicher Wolle. Ihr Fell besteht aus groben Oberhaaren und sehr feinen weichen Unterhaaren mit einem Durchmesser von 12 bis 19 Mikrometern, wodurch diese zu den feinsten Tierhaaren überhaupt zählen. Nur bei extremen Minusgraden bildet die Kaschmirziege ihr spezifisches wärmendes Unterhaar – ein Grund, weshalb sich die Zucht der Tiere nicht beliebig ausweiten lässt und weltweit nur eine begrenzte Menge echter Kaschmirwolle gewonnen werden kann. Zu den Erzeugerländern der edlen Wolle zählen Indien, China, die Mongolei, Iran und Afghanistan.

Entstehung und Verbreitung

Die Bewohner der Region Kaschmir nutzten als Erste die weichen Unterhaare der Tiere für die Herstellung feiner Pashminaschals (pers. pasham = Ziegenwolle). Erst als die Briten die Schals zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert nach Europa exportierten, wurde der Stoff nach seinem Ursprungsort Kaschmir benannt und ist heute auf der ganzen Welt – mit Ausnahme von Indien und Pakistan, wo die Faser immer noch mit dem Wort pasham bezeichnet wird – üblich.

Gewinnung des raren Naturprodukts und Qualitätsprämissen

Die edle Faser wird gegen Ende des Winters aus dem Unterfell der Kaschmirziege herausgekämmt. In Fabriken aus der Region werden die Fasern danach von Hand nach weißen und dunklen Fasern sortiert. Bei der anschließenden Fasertrennung – ebenfalls manuell – werden die feinen Flaumhaare von den groben Oberhaaren getrennt, um schließlich versponnen zu werden. Da nur die feinsten Haare aus dem Unterfell der Ziege verarbeitet werden, bleiben nach Aussortierung von etwa 200 bis 300 Gramm Unterhaar pro Tier für die Verarbeitung nur etwa 50 % der Rohfaser übrig.

Während das Fell im Norden Chinas und in der Mongolei noch handgekämmt wird, wird es anderorts geschoren – ein Verfahren, das jedoch mit Qualitätseinbußen einhergeht, da die Wolle viele grobe Fasern enthält und der Rohertrag an reinen Kaschmirfasern geringer ausfällt. Das Handkämmen kann bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen, doch ist die Qualität der Wolle besser und die nachwachsenden Fasern werden feiner und weicher.

Mögliche Beimischungen

Das aufwendige und teure Verfahren der Kaschmirgewinnung führt dazu, dass oft günstigere Fasern wie Seide oder Merinowolle beigemischt werden. Experten gehen inzwischen davon aus, dass bis zu 30 Prozent aller Kaschmir-Erzeugnisse auf dem Weltmarkt das Gütesiegel „100 Prozent Kaschmir“ zu Unrecht tragen.

Als wesentliche Qualitätsmerkmale gelten

  1. die Länge der Faser: Je länger und feiner diese Faser ist, umso dünner und wertvoller ist der daraus gesponnene Faden. Die übliche Kaschmirfaser misst 15 bis 75 mm und ihre Reißfestigkeit beträgt 2,5 Gramm.
  2. der Querschnitt der Faser: Gemessen wird in Mikrometern. Zur Herstellung des extrem feinen Kaschmirgarns der höchsten Qualitätsstufe „cashmere two ply 28000“ können nur Fasern mit einem Querschnitt von 14 und höchstens 16,5 Mikrometern verwendet werden. Rohware dieser Feinheit kommt bislang nur aus China und der Mongolei.
  3. der Anteil der Grannenhaare: Grannenhaare sind die zu den Deckhaaren zählenden, über die feinen Flaumhaare („duvet“) hinausragenden dickeren Haare im Vlies der Kaschmirziege. Diese Grannenhaare sind nicht völlig zu entfernen; ihr Anteil kann in der Rohware von 0,1 bis 2 %, je nach Verwendung, variieren. Für das wertvolle „cashmere two ply 28000“-Garn sind höchstens 0,5 % zulässig.
  4. die natürlichen Farben des Flaumhaares: Das naturweiße und helle „duvet“ ist hierbei von höherer Qualität und ungleich teurer als das dunkle, braune oder mischfarbene Haar.

Kaschmir-Pflege

Das Waschen sollte je nach Tragefrequenz und -intensität nach jedem vierten bis zehnten Gebrauch erfolgen. Dazwischen reicht es, den Pulli über Nacht an der frischen Luft durchzulüften. Bewährt hat sich eine kurze Wäsche in der Waschmaschine im Wollprogramm bei unter 30 Grad mit flüssigem Wollwaschmittel oder gutem Haarshampoo, auf links gedreht in einem Wäschebeutel oder Kopfkissenbezug. Bei der Handwäsche besteht stets die Gefahr, dass die Teile zu lange im Wasser liegen bleiben oder später zu sehr gerieben oder ausgewrungen werden. Zudem können Waschmittelrückstände die empfindliche Faser zerstören. (pb)

Bildquellen

  • 26024109 – group of pashmina goat at pangong tso lake: 123rf
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