Kunsthaus Zürich – 100 Jahre Kunsthaus Zürich

45

Das weltbekannte Zürcher Kunsthaus feiert 2010 das Jubiläum seines einhundertjährigen Bestehens. Mit hochkarätigen Sonderausstellungen und vielen Veranstaltungen wird das Haus, das von der Zürcher Kunstgesellschaft begründet wurde, das Jahr 2010 begehen.

Das heutige Kunsthaus eröffnete vor einhundert Jahren mit dem Bau von Karl Moser. Aber schon seit dem Jahr 1787 existierte die Zürcher Kunstgesellschaft, die sich der Förderung der lokalen Kunst verschrieben hatte. Mit dem Neubau konnten endlich die bedeutendsten Werke der Vertreter der bildenden Kunst, die in der fruchtbaren Atmosphäre Zürichs auf reges Interesse stiessen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Statt eines Musentempels für wenige Auserwählte wurde hier ein Haus für die Kunst gebaut, in dem die Bürger einen schönen und inspirierenden Ort finden sollten. Das ist durchaus gelungen und diese Maxime gilt bis heute. Besondere Ausstellungen kontrastieren und ergänzen die Möglichkeiten der grossen Sammlung.

Zu Beginn standen Johann Heinrich Füsslis Klassizismus oder die Werke Arnold Böcklins im Zentrum des Interesses. Später konnten die Malerei Ferdinand Hodlers oder das plastische Werk Alberto Giacomettis als Kulminationspunkte der europäischen Kunstlandschaft angesehen werden. Viele ihrer Werke sind heute Teil der Sammlung des Kunsthauses. Allein 150 Skulpturen Giacomettis und etliche Arbeiten auf Leinwand und Papier lassen sein Œuvre in allen Facetten lebendig werden. Das Zürcher Kunsthaus kann sich glücklich schätzen, den bedeutendsten Sammlungsbestand Giacomettis sein eigen nennen zu können. Zu einer weiteren wichtigen Werkgruppe im Kunsthaus zählen die französischen Gemälde. Von Géricault bis Manet oder von den Impressionisten bis zu den Nabis reicht die Spannweite. Allein zehn Werke Monets bilden einen besonderen Schwerpunkt im Sammlungsspektrum.

Auch von Cézanne und van Gogh sind einzelne Werke hoher Qualität vorhanden. Werkgruppen von Mondrian, Chagall und Klee bilden nachfolgende Epochen ab, wobei besonderes Augenmerk auf die Dokumentation der Arbeit der Dadaisten gelegt wurde, die sich im Jahre 1916 in Zürich zusammenfanden. Die Zürcher Kunstgesellschaft hat stets der Sammlung von Werken aktueller Künstler einen hohen Stellenwert eingeräumt. So überrascht es nicht, dass neben den Schweizern Tinguely oder Fischli/Weiss auch die amerikanische Malerei der 1950er- und 60er-Jahre mit Cy Twombly oder Mark Rothko grossen Raum beanspruchen darf. Von der nachfolgenden Generation deutscher Maler, etwa Baselitz, Penck oder Kiefer, sind ebenfalls wichtige Werke in die Sammlung aufgenommen worden. Die Bestände des Museums reichen weit über die klassischen Gattungen der Malerei oder der Skulptur hinaus; die Kollektion der Fotografie kann neben vielen Klassikern auch 84 Originalabzüge Constantin Brancusis und Fotogramme aus dem Umfeld Hugo Balls oder Hannah Höchs präsentieren.

Kunsthauserweiterung

Die ersehnte Eröffnung des Erweiterungsbaues wird im Jahr 2015 erfolgen und das Kunsthaus voll und ganz im 21. Jahrhundert ankommen lassen. Einer der Gründe für die Erweiterung ist der Umstand, dass bis zu 90 Prozent der umfangreichen Bestände der Sammlung in den Depots lagern. Aber die Neuaufstellung für das neue Zeitalter ist auch kuratorisch begründet: Es wird erstmals möglich sein, sinnstiftenden Zusammenhängen innerhalb der Epochen nachzuspüren und die gegenseitigen Einflüsse aufzuzeigen, die die Kunstgattungen seit den 60er-Jahren aufeinander ausüben. Ein grosser öffentlicher Raum im Erdgeschoss des quaderförmigen Bauwerks wird von allen vier Seiten und auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Museums zugänglich sein und die Verbindung herstellen zwischen dem Heimplatz und dem Kunstgarten im Norden des Neubaus. Die zentrale Halle wird ein Ort der Begegnung von künstlerischen Exponaten und Besuchern sein.

Ausstellungen 2010

Die Ausstellungen des Jubiläumsjahres bilden ein vielschichtiges Programm: Bis zum 16. Mai 2010 ist noch die Sammlung Bührle zu Gast im Kunsthaus. Mit etwa 180 Bildern und Plastiken ist die Sammlung des Zürcher Industriellen Bührle eine der bedeutendsten Privatsammlungen weltweit. Die gezeigten Arbeiten reichen von Manet und Cézanne bis zu Picasso, von Canaletto bis zu Frans Hals. Die Präsentation im grossen Saal ist gleichsam eine Generalprobe für die Zeit, wenn der Erweiterungsbau von David Chipperfield im Jahr 2015 vollendet sein wird, denn dann wird die Sammlung in die neuen Räume einziehen. Ebenfalls bis zum 16. Mai 2010 ist das Gessner-Kabinett unter dem Titel Idyllen in gesperrter Landschaft zu bestaunen. Die Zeichnungen und Gouachen gelten als Grundstein der heutigen Sammlung des Kunsthauses und zeigen arkadische Visionen des Salomon Gessner (1730–1788).

Vom 4. Juni bis 22. August werden Arbeiten Adrian Pacis zu sehen sein. Fast zeitgleich wird das Haus die grossformatigen Fotografien Thomas Struths zeigen (11. Juni – 12. September), bevor die Picasso-Ausstellung den Höhepunkt des Jubiläumsjahres bilden wird. Vom 15. Oktober 2010 bis zum 30. Januar 2011 wird die Schau ausgewählter Spitzenwerke an die allererste Museumsretrospektive Pablo Picassos im Jahre 1932 im Kunsthaus Zürich erinnern. (rp)

 

Chronologie …

1853 – Gründung des „Zürcher Kunstvereins“.

1895 wird der Verein „Künstlerhaus Zürich“ gegründet, der in einer provisorischen Kunsthalle Ausstellungen veranstaltet. Er schliesst sich im folgenden Jahr mit dem „Zürcher Kunstverein“ zur „Zürcher Kunstgesellschaft“ zusammen. Die Bemühungen zum Bau eines richtigen Museums beginnen.

1910 wird auf einem von Stadtrat Landolt vermachten Grundstück das Kunsthaus eröffnet. Der Name folgt bewusst der Namensgebung anderer bürgerlicher Institutionen wie dem Schul- oder Rathaus.

1917 gründet Alfred Rüetschi die „Vereinigung Zürcher Kunstfreunde“, da die Mittel der Kunstgesellschaft nicht ausreichen. Er bringt grossformatige Werke Hodlers mit ein.

1920 beginnt die Sammlung französischer Impressionisten und der Werke E. Munchs.

1925 erweitert Karl Moser das Kunsthaus. Etliche private Stiftungen erweitern die Sammlung.

1958 finanziert Emil Bührle den grossen Ausstellungssaal. Die bedeutende Sammlung A. Giacometti entsteht aus weiteren Stiftungen.

1980 ermöglichen zahlreiche Spenden den Aufbau der Dada-Sammlung. Schenkungen niederländischer und venezianischer Gemälde folgen.

2001 beginnt die Renovierung des Kunsthauses. Es gibt erste Planungen für eine Erweiterung.

2008 erfolgt der internationale Architekturwettbewerb, aus dem David Chipperfield als Sieger hervorgeht. Im Jahre 2015 soll der Bau einer der grössten Kunstgesellschaften Europas bezogen werden.

Share.