Kunsthaus Zürich

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Einer der Sterne am europäischen Kunsthimmel ist ohne Zweifel das 1910 eröffnete Zürcher Kunsthaus am Heimplatz. Es kann nicht weniger als die bedeutendste Museumssammlung der Werke Alberto Giacomettis, hervorragende Exponate französischer Malerei oder die Höhepunkte der Schweizer Malerei mit Werken von Böcklin, Vallotton oder Hodler sein Eigen nennen. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs – lediglich ein Zehntel der Bestände kann derzeit gezeigt werden. Der geplante Erweitungsbau des bekannten britischen Architekten David Chipperfield wird ab 2015 für deutlich erweiterte Möglichkeiten sorgen.

Kunsthaus Zürich – Kunsthaus

Seit dem Jahre 1787 existiert die Zürcher Kunstgesellschaft, die sich der Förderung der lokalen Kunst verschrieben hatte. Das heutige Kunsthaus, erbaut von Karl Moser, wurde 1910 eröffnet. Hier konnten die Werke der bedeutendsten Vertreter der bildenden Kunst, die in der fruchtbaren Atmosphäre des reichen geistigen Lebens in Zürich auf reges Interesse stiessen, einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Johann Heinrich Füsslis Klassizismus oder die Werke Arnold Böcklins standen im Zentrum der Kunstrezeption. Wenig später konnten die Malerei Ferdinand Hodlers oder das plastische Werk Alberto Giacomettis als ein Kulminationspunkt der europäischen Kunstlandschaft gelten. Viele ihrer Werke haben im Kunsthaus einen würdigen Ort gefunden. Allein 150 Skulpturen Giacomettis und etliche Arbeiten auf Leinwand und Papier lassen sein Lebenswerk in allen Facetten lebendig werden. Das Zürcher Kunsthaus kann mit dem bedeutendsten Sammlungsbestand der Werke dieses Künstlers aufwarten.
Die Zürcher Kunstgesellschaft hat stets der Sammlung von Arbeiten aktueller Künstler einen hohen Stellenwert eingeräumt. So kann es nicht überraschen, dass neben den Schweizern wie Tinguely oder Fischli/Weiss auch die amerikanische Malerei der 1950er und 60er Jahre mit Cy Twombly oder Mark Rothko grossen Raum einnimmt. Von der nachfolgenden Generation deutscher Maler – etwa Baselitz, Penck oder Kiefer – sind ebenfalls wichtige Werke in die Sammlung aufgenommen worden.

Kunsthaus Zürich – Eingangshalle

Die Bestände des Museums reichen übrigens weit über die klassischen Gattungen der Malerei oder der Skulptur hinaus; die Kollektion der Fotografie, die seit einer Schenkung 1989 noch einmal beträchtlich anwuchs, umfasst Werke von Henri Cartier-Bresson, Irvin Penn, Ansel Adams oder Alfred Stieglitz. Die bedeutende Sammlung kann darüber hinaus auch 84 Originalabzüge des legendären Bildhauers Constantin Brancusi und Fotogramme und Montagen aus dem Umfeld von Hugo Ball, Hannah Höch oder Man Ray präsentieren. Auch die Bestände aus dem Bereich der Videokunst sind äusserst respektabel angewachsen. Seit 1979 sammelt das Haus Arbeiten international bedeutender Künstler wie Bruce Nauman, Nam June Paik oder Bill Viola.
Um die enormen Bestände nicht zu 90 Prozent in den Depots lagern zu müssen, wie es derzeit noch der Fall ist, hat sich das Kunsthaus trotz der kürzlich erfolgten Sanierung (2001–2005) zu einem Erweiterungsbau entschlossen. Ziel ist die Neuaufstellung für das 21. Jahrhundert, deren wichtigstes Ziel neben der Erweiterung der Flächen ein neues kuratorisches Konzept ist: das Nachspüren sinnbildender Zusammenhänge innerhalb der Epochen. Die Möglichkeit, die gegenseitigen Einflüsse aufzuzeigen, die die Kunstgattungen seit den 60er Jahren aufeinander ausüben, besteht im flexiblen Neubau, der ab 2015 bespielt werden kann. Der britische Architekt David Chipperfield gewann im Herbst 2008 den Wettbewerb. Der Entwurf für den lichtdurchfluteten Quader wurde kürzlich noch einmal überarbeitet und der Bau präsentiert sich noch offener und durchlässiger. Eine zentrale Halle fungiert als Ort der Begegnung von künstlerischen Exponaten und Besuchern.
Die hehren Zukunftspläne sind aber kein Grund, die aktuellen Ausstellungen Georges Seurat. Figur im Raum (2. Oktober 2009 – 17. Januar 2010) oder Bilderwahl 2009! Aufbruch zu neuen Ufern (20. November 2009 – 7. Februar 2010) zu verpassen. Mehr als 60 erstklassige Werke internationaler Provenienz zeigen Seurats atmosphärische Inventionen, und im Zentrum der Ausstellung Bilderwahl! wird Emil Noldes Herbstmeer XI (1910) stehen. Es wird sich im Dialog motivisch ähnlicher Gemälde von Noldes Zeitgenossen messen lassen. Das reiche Angebot der Kunstvermittlung des Zürcher Kunsthauses ist zudem für alle Arten von Kunstgesprächen oder Begleitveranstaltungen die richtige Adresse. (rp)

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