Louis Vuitton – Stilbildender Anspruch des Besonderen

0

Die Geburtstunde des Unternehmens ist ins Jahr 1854 zu datieren, als der überaus begabte Louis Vuitton (1821–1892) sein eigenes Geschäft als Kistenmacher und Verpacker eröffnete. Die Erfahrungen aus diesem damals weitverbreiteten Gewerbe, das er bei seinem Lehrmeister Monsieur Maréchal erlernt hatte, waren unverzichtbarer Bestandteil seines Erfolges.

Damals waren die layetiers, die Ladenmacher, eine zumal für den Hof und die gehobenen Kreise unverzichtbare Berufsgruppe: Sie nahmen im Hause der Auftraggeber Maß von den zu verpackenden Gegenständen – meist aufwendiger Garderobe – und fertigten entsprechende Pappelholzkisten an, die den strapaziösen Kutschfahrten gewachsen waren. Louis Vuitton verstand es, ein ideales Verhältnis von Haltbarkeit und Leichtigkeit zu finden, und erfand den modernen, stapelbaren Reisekoffer. Bisherige Koffer hatten meist runde Deckel und waren nicht übereinander zu schichten. Besonderes Augenmerk richtete er auf das Innenleben der Koffer und auf die Tatsache, dass die Reiseutensilien um die zu schützenden Gegenstände herumgeformt werden sollten und nicht die empfindlichen und wertvollen Stücke in einem beliebigen Koffer unterzubringen waren. Die leichten und luftdichten Koffer des Louis Vuitton waren sogar auf der Weltausstellung 1867 zu sehen, wo sie ihr Erfinder der Weltöffentlichkeit präsentierte. In die Zeit von Georges Vuitton, dem Sohn von Louis, fällt die Einführung des weltbekannten LV-Signets und der stilisierten vierblättrigen Blumen, die die Basis der Monogram Canvas sind. Diese beschichteten Segeltücher waren revolutionär, denn sie waren sehr leicht und widerstandsfähig. Sie machten weltberühmte Taschen wie die Noé möglich, die 1932 auf Wunsch eines Champagnerproduzenten auf den Markt kam. In dieser von Gaston-Louis, dem Sohn Georges’, entworfenen Tasche lassen sich elegant fünf Flaschen Champagner transportieren.

Elegant Reisen

Louis Vuitton

@ Louis Vuitton

Den Tugenden der eleganten Reiseutensilien kann man sich am einfachsten über ihre hohe Praktikabilität und ihre außergewöhnliche Verarbeitungsqualität annähern. Die Handwerkskunst war von Anfang an der Liebe zum Detail und der Perfektion verpflichtet. In den Werkstätten von Asnières vor den Toren von Paris arbeiten die Täschner, Koffermacher und Sattler Hand in Hand und lassen durchdachte und liebevoll gestaltete Produkte entstehen. Für den Korpus eines Koffers verwenden sie das leichte Pappelholz, während die äußeren Latten aus Buche gefertigt werden, denn sie schützen den Koffer vor äußeren Einflüssen während der Reise. Die handsignierten Baumwollscharniere halten die Hälften des Gepäckstückes zusammen, doch später sind sie unter Stoff oder Leder verborgen. Die Inneneinrichtung wie Fächer und Schubladen besorgen die Koffermacher und die Arbeiten am Leder sind den Sattlern vorbehalten, die wie eh und je die Perforation von Hand mit der Ahle in die Tierhäute zwingen. Genäht wird mit zwei Nadeln und Leinenfäden, die mit Bienenwachs bestrichen sind.

Reise durch die Geschichte Louis Vuittons

Louis Vuitton

@ Louis Vuitton

Seit den 1970er Jahren, als das Familienunternehmen Louis Vuitton gerade einmal zwei exklusive Läden sein eigen nennen konnte, wuchs die Marke rasch und der internationale Durchbruch war nicht aufzuhalten. Bis 1989 verfünfzigfachte sich der Umsatz und die Zahl der Geschäfte weltweit stieg auf über 120 an. Neue Lederkollektionen wurden lanciert und der Konzern stieg in das Sponsoring bedeutender Sportveranstaltungen ein. 1987 entstand durch die Fusion mit der Gruppe Moët Hennessy der größte Luxuskonzern der Welt. Weitere zehn Jahre später stellte der Designer Marc Jacobs eine Prêt-à-porter- und Schuhkollektion vor. Sieben Stardesigner bekamen zum 100-jährigen Jubiläum des Monogramms den Auftrag, aus dem edlen Material die Reisetasche ihrer Träume zu kreieren. Weltweit rissen die Sammler in den Geschäften sich die Ware aus den Händen und die Exklusivität der Marke war gestärkt wie nie zuvor.
Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends setzte auch ein Paradigmenwechsel bei der Gestaltung der Shops ein. Ziel war es, den Kunden in den Geschäften nicht mehr das Gefühl zu geben, in einem Laden zu sein, sondern in einer Umgebung, die Teil der Stadt ist und die einer facettenreichen Reise ähnelt. So wirken die Fassaden wie eine mysteriöse Umhüllung und thematisieren die Mode auf ihre eigene Art. Der Besucher ist in mehrfacher Hinsicht auf einer Reise und gleichzeitig wieder ganz nah bei den Ursprüngen des Unternehmens, das nicht nur der ersten Reise ihres Gründers Louis bedurfte, sondern sich mit großer Hingabe der Schöpfung von Reiseutensilien widmete und dies bis heute sehr erfolgreich fortsetzt. (rp)

Share.

Leave A Reply