Oberpollinger München: Im Dialog mit Herrn Holger Grabmeister, Geschäftsführer

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Oberpollinger_Grabmeister-c624f577Dr.Onur: Welches exklusive Shoppingerlebnis erwartet den anspruchsvollen Kunden in Ihrem Kaufhaus. Worauf darf sich ein Kunde im Oberpollinger freuen?

Holger Grabmeister: Oberpollinger ist absolut vergleichbar mit den internationalen großen Departementstores aus Paris und London. Das besondere Erlebnis bei Oberpollinger ist die Mischung aus exklusiven Marken, die sowohl international als auch in Deutschland sehr bekannt sind, aber auch durchaus Bereiche hat, die dem täglichen Bedarf entsprechen. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Bereich Fashion und persönliche Accessoires. Hier findet man alles, was man an gehobenem Bedarf hat, unter einem Dach.

Dr.Onur: Ihr Kaufhaus führt zahlreiche unterschiedliche Top-Brands unter einem Dach. Wo sehen Sie die Prioritäten des Hauses? Wo liegen die Markenschwerpunkte und die Besonderheiten? Welchen Status nimmt Ihr Haus in München ein?

Holger Grabmeister: Auf über 33.000qm Verkaufsfläche sind sehr bekannte Topbrands unter einem Dach. Hierzu gehören insbesondere solche Marken wie Louis Vuitton, Prada, Gucci, Bottega Veneta aber auch sehr viele Fashionbrands, die man aus England kennt, wie beispielsweise Creed oder The Kooples. Als besonderes Highlight des Hauses gilt ebenso unser exklusiver Beautybereich. Dort findet man alle bedeutenden Marken vor, die weltweites Renommee genießen. Auf Grund dieser einzigartigen Kombination exklusiver Vielfalt, die man unter einem Dach vorfindet, nimmt unser Haus einen ganz besonderen Stellenwert in München ein. Größten Wert legen wir ebenso auf unseren stets persönlich ausgerichteten Service, der die individuellen Wünsche unserer Kunden erfüllt – dies betrifft in besonderem Maße auch unsere chinesischen Kunden. Wir verfügen über einen eigenen Concierge, der auch chinesisch sprechende Mitarbeiter vermittelt. Außerdem bewerkstelligen wir die komplette Tax Free Abwicklung und sind unseren Kunden aus dem Ausland bei allen Fragen behilflich. Im Herbst diesen Jahres werden wir sogar eine spezielle Lounge für unsere chinesischen Kunden anbieten.

Dr.Onur: Was unterscheidet Oberpollinger von den anderen exklusiven Kaufhäusern in München. Wieso lohnt es sich bei Ihnen einzukaufen? Worauf legen Sie größten Wert?

Holger Grabmeister: Was sich besonders von anderen Münchener Kaufhäusern unterscheidet, ist die Markenvielfalt und dass wir besonders auf unsere internationalen Touristen eingehen. In dem Kontext steht das, was wir an Service machen. Wir legen größten Wert darauf, dass wir nicht nur etwas verkaufen, sondern dass sich unsere Kunden auch besonders wohl fühlen und merken, dass wir uns freuen, dass sie da sind.

Dr.Onur: Dann sind Sie im After Sales Bereich auch gut aufgestellt?

Holger Grabmeister: Genau. Wir bringen Gekauftes ins Hotel, bei Reklamationen oder Fragen kommunizieren wir per Email auch im After Sales Bereich durchaus durch die ganze Welt.

Dr.Onur: Und haben dementsprechend gute logistische Partner?

Holger Grabmeister: Ja, haben wir. Wir verschicken auch in die ganze Welt.

Dr.Onur: Das impliziert auch den asiatischen Raum?

Holger Grabmeister: Auch den. So weit es geht. Das ist nicht immer so einfach. An manche Stellen dieser Welt kriegen wir Dinge wirklich nicht sicher hingebracht. Oder es ist extrem teuer und dann müssen wir das auch von den Kunden bezahlen lassen. Wir haben auch jetzt wieder eine größere Silberbestellung in die arabische Welt gebracht, gar nicht so einfach, aufgrund der Zollfrage. Aber wir kriegen das hin.

Dr.Onur: Ist Ihr Haus in der Lage V.I.P‘s oder anspruchsvolles, individuell reisendes chinesisches Klientel zu empfangen und zu beraten? Welche ausländischen Kreise bedienen Sie bislang mit großem Erfolg?

Holger Grabmeister: Wir sind über den Concierge und über chinesisch sprechende Mitarbeiter in der Lage auch auf V.I.P’s und deren Wünsche besonders einzugehen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie sich auch dementsprechend bei uns melden. Ansonsten werden wir eine Lounge bauen, die im September/Oktober fertig sein wird und dort wird dann auch jemand sein, der fast den ganzen Tag Wünsche, Fragen beantwortet und erfüllt. Im Augenblick richtet sich unser Fokus sehr stark, nachdem wir den arabischen und auch russischen Kunden weitgehend deren Wünsche erfüllen, auf die chinesischen Kunden, weil wir davon ausgehen, dass München in den nächsten Jahren sehr viel stärker von chinesischen Gästen besucht wird. Daher versuchen wir deren Wünsche auch sehr individuell zu erfüllen. Wobei unser Fokus eben nicht auf dem kurzfristigen Geschäft liegt, sondern wir setzen sehr stark auf Empfehlungswerbung, das heißt, dass derjenige, der bei uns rausgeht, zu Hause erzählt, dass das Oberpollinger in München eine gute Adresse ist. Das werden wir nur erreichen, wenn er mit einem positiven Erlebnis nach Hause geht.

Dr.Onur: Dann werden auch Mitarbeiter arbeiten, die dementsprechendgut geschult sind und den Umgang pflegen können mit diesen Kreisen?

Holger Grabmeister: Ja, wir machen auch Schulungen mit unseren Mitarbeitern, in denen wir die chinesische Kultur vermitteln, ebenso wie Besonderheiten, was man machen darf, was nicht, was erwartet wird… Wir haben eine chinesische Mitarbeiterin engagiert, die ab August beginnt und alle Mitarbeiter regelmäßig auch nochmal schult. Also auch über Kultur und den Background, weil die wenigsten waren ja jemals da.

Dr.Onur: Das ist wahr. Also manchmal scheitert es am grünen Tee, wenn der Chinese eben nicht Wasser oder Schwarztee wünscht, sondern zumeist grünen Tee, manchmal auch weißen und wenn man den nicht offerieren kann, ist das schon mal eine ungünstigere Konstellation, dann ist man schlecht vorbereitet?

Holger Grabmeister: Und darauf gehen wir eben ein und werden auch in unserem Restaurant natürlich dieses Sortiment, das Sie eben erwähnten, um solche Dinge erweitern, wobei Grüntee gibt’s schon. Wir haben ja heute schon eine ganze Menge chinesischer Kunden.

Dr.Onur: Das Kaufhaus verfügt über eine vielseitiges Sortiment. Wie häufig erfährt das Sortiment eine Ergänzung mit neuen Marken?

Holger Grabmeister: Wir sind ständig in Bewegung, weil wir auch einen Einkauf haben, der international unterwegs ist. Oberpollinger gehört zur Premium-Group, das sind eben die drei Häuser KaDeWe, Oberpollinger und das Alsterhaus in Hamburg. Es gibt so gut wie keine Woche, wo wir nicht einen Sortimentswechsel haben. Wir sind immer dabei, Brands zu haben, die sehr stark nachgefragt werden, beziehungsweise, die an Bedeutung gewinnen. Ansonsten ist alles, was Rang und Namen hat, im Grunde genommen, bei Oberpollinger vertreten.
Was im chinesischen Markt besonders gefragt ist, das eruieren wir gerade, um dort dann eine Sortimentserweiterung vorzunehmen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass wir dort sehr gut aufgestellt sind.

Dr.Onur: Es gibt gewisse Brands, die für Chinesinnen über eine sehr hohe Attraktivität verfügen, können Sie sich vorstellen, diese in Ihr Markenprogramm aufzunehmen bzw. stärker in den Vordergrund zu rücken?

Holger Grabmeister: Wir wissen von einigen Marken, zum Beispiel Dior. Dior macht das in Russland sehr stark, deswegen sind die russischen Kunden auch sehr stark auf Dior fixiert. Und das versucht der EInkauf gerade für den chinesischen Markt zu eruieren, damit wir eventuell eine Erweiterung vornehmen, aber wie gesagt, unsere bisherige Erfahrung ist eben, dass Marken wie zum Beispiel Louis Vuitton auch in China extrem stark nachgefragt sind.

Dr.Onur: Ja, es geht ja nicht nur um die etablierten Luxusbrands, die jetzt von Richmond und LVMH gesteuert sind, sondern auch Nischenbrands, die zunehmend Bedeutung gewinnen, da sprechen wir schon von 2014. Muss man wissen, welche Marken im Moment einen Brandaufbau und eine Brandlancierung erwirken.
Holger Grabmeister: Ja, und deswegen stellen wir, wie gesagt, auch jetzt noch zwei chinesische Mitarbeiterinnen ein, die zwar schon länger hier in Deutschland leben, die aber nach wie vor noch Zugang haben und auch über den notwendigen Background um das übers Internet zu eruieren, verfügen.

Dr.Onur: Also Sie bemühen sich schon um eine fundierte Recherche, was auf dem chinesischen Festland sich so bewegt und was inwiefern man als Haus davon profitieren könnte. Diese Offenheit und dieser Flow ist ganz bedeutend, das zeugt dann im Grunde von einem unmittelbaren Draht zu den Prozessen, die in China stattfinden und das wertet dann auch Ihr Haus immens auf, wenn man das ein bisschen nahe bringt.

Holger Grabmeister: Das wollen wir auch. Wir verlieren nicht unsere Identität, dafür sind wir zu international, aber wir versuchen schon, unseren Kunden, woher sie auch immer kommen, das Gefühl zu geben, dass wir ihnen nicht nur etwas verkaufen wollen, sondern, dass wir uns wirklich für sie interessieren und dass sie mit einem positiven Erlebnis das Haus verlassen.

Dr.Onur: Chinesen schätzen vor allem die selektierte Auswahl innerhalb der Brand-Vielfalt, da sie sich dadurch schneller orientieren und eine Verkaufsentscheidung treffen können. Stellt Oberpollinger in den verschiedenen Verkaufsabteilungen bestimmte Marken oder Kollektionslinien, die trendbestimmend sind in den Vordergrund?

Holger Grabmeister: Wir haben das Haus schon sortiert nach Bedarfsgruppen, also von Damen-Oberbekleidung bis hin zu Handtaschen oder Parfümerie, das ist ziemlich klar erkennbar, aber wir haben auch einen extra Guide, also einen Flyer, auch in chinesischer Sprache, für die Kunden um sich im Hause entsprechend zurechtzufinden. Den werden wir jetzt nochmal ein bisschen erweitern, weil wir da noch nicht alle Marken, die neu sind, drin haben, aber den Flyer überarbeiten wir ständig und werden dann auch nochmal für die chinesischen Kunden Themen wie Tax Free Abwicklung, wo passiert das, wo ist die Lounge, wer wäre Ansprechpartner, was tu ich wenn, … reinpacken. Und das erleichtert das Orientieren und da werden wir natürlich auch auf die besonderen Highlights des Hauses hinweisen.
Und wenn sich das weiterhin so entwickelt wie jetzt, dann werden wir auch in absehbarer Zeit, wir haben im Moment unsere Internetseite in deutsch, englisch, arabisch und russisch, dann werden wir auch die Möglichkeit bieten, die wichtigsten Dinge dann eben auch auf chinesisch übers Internet abzufragen.

Dr.Onur: Gibt es eine Ähnlichkeit mit dem KaDeWe in Berlin in der Produktausrichtung und Sortimentsgestaltung?

Holger Grabmeister: Es gibt zum KaDeWe sortimentsmäßig nur geringe Unterschiede, wir sind eben die Premium-Group und das läuft auch über einen gemeinsamen Einkauf. Auf der Fläche gibt es geringfügige Unterschiede, weil eben das KaDeWe deutlich größer ist und natürlich für die 6.Etage, für den Food-Bereich, den wir nicht haben, steht. In der Sortimentsgestaltung und in der Produktausrichtung gibt’s da überhaupt keine Unterschiede.

Dr.Onur: Wenn man Oberpollinger mit anderen internationalen Häusern, die dieses Segment bedienen, vergleichen würde, welche exklusiven Stores würden Sie diesbezüglich benennen, die eine vergleichbare Aufstellung genießen?

Holger Grabmeister: Strukturell ähnlich ist am ehesten Selfridges in London, da gibt es ca. 75% Markenüberschneidung. Selfridges ist noch ein paar Quadratmeter größer, aber eine große Ähnlichkeit ist vorhanden.
Uns kann man natürlich auch international vergleichen mit Saks in Amerika, das ähnlich aufgestellt ist.
Das Sortimentsniveau ist sicherlich identisch mit LaFayette, mit Harrolds, Selfridges oder Saks in New York.

Dr.Onur: Kann man in Ihrem Haus auch nach Ladenschluss shoppen oder vor Öffnung des Hauses?

Holger Grabmeister: Das geht nicht, weil das gesetzlich verboten ist und München da sehr restriktiv ist. Das ist leider nicht möglich und da wird auch sehr drauf geachtet.
(Es gibt nur einmal im Jahr eine Ausnahmeklausel, das ist diese am 6.September, wo es dieses Shopping bis 24 Uhr gibt.)

Dr.Onur: Sollen wir noch kurz auf die Architektur vom Oberpollinger eingehen?

Holger Grabmeister: Das wäre schon schön, weil das ja ein sehr historisches Gebäude ist.
Das Oberpollinger war ursprünglich mal eine Brauerei und danach ein Hotel. Das Hotel hat dann 1903 Insolvenz angemeldet, und ist 1905 als eines der ersten Luxuskaufhäuser Deutschlands eröffnet worden. Es hatte damals eine Fläche von 3500qm, das war zu der Zeit gigantisch groß, und hatte schon Dinge wie einen Teeraum, ein Reisebüro, oder auch einen Fahrstuhl, was zu dieser Zeit schon sensationell war. Man blickt also zurück auf eine lange Tradition. Die Fassade, zum Beispiel, ist noch weitestgehend im Original erhalten.
Das Oberpollinger ist ein Traditionsgebäude, das auch in München fest etabliert ist. Was besonders interessant ist, ist, dass es eines der ersten Luxuskaufhäuser Deutschlands.

Oberpollinger

Neuhauser Straße 18
80331 München

T +49 (0) 89 2902-30
www.oberpollinger.de

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