Das Pariser Unternehmen Lalique kann auf fast 130 bewegte Jahre zurückblicken. Schmuck, Glaswaren und Parfüm – Ein ungewöhnliches Portfolio für eine Firma. Doch in Laliques Historie finden diese vordergründig so differenten Elemente ganz natürlich zusammen. Dabei bewahrt das Traditionsunternehmen bis heute auf all diesen Feldern die meisterliche Begabung und den ästhetischen Anspruch des Art Déco-Künstler René Jules Lalique, der den Grundstein für diese einmalige Geschichte legte.

Lalique

René Jules Lalique erblickte am 6. April 1860 das Licht der Welt. Seinen Geburtsort Ay im beschaulichen Tal der Marne sollte er bald verlassen, da seine Eltern 1862 nach Paris übersiedelten. In der Metropole wuchs René in einem urbanen Leben heran, vor dessen Kontrast er ein feines Auge und eine große Faszination für die idyllische Natur seiner heimatlichen Champagne entwickelte, wo die Familie ihren jährlichen Sommerurlaub verbrachte. Seine Begeisterung für die Natur und ihre Formen – später würde er von den „trois Fs“ sprechen („femme, fauna et flora“) – begleitete ihn als steter Quell der Inspiration durch sein gesamtes Künstlerleben.

Früh begann er eine Lehre bei dem Pariser Juwelier Louis Aucoc, ein Kunststudium in Paris und London folgte. Schon zu dieser Zeit fertigte der junge René Lalique Arbeiten und Entwürfe für bedeutende Juwelierhäuser an (etwa Cartier). Doch der Schmuck jener Epoche vermochte sein ästhetisches Empfinden nicht zu fesseln. Der Wert des Materials war es, der über die Popularität des Schmucks entschied. Form und Gestaltung galten als nebensächlich. Dies bewirkte eine gewisse nüchterne Fantasielosigkeit, die darauf wartete, von einem anspruchsvollen Künstler überwunden zu werden. Die Zeit wartete auf René Lalique.
Lalique griff natürliche Formen und Motive auf und revolutionierte die Schmuckwelt, indem er Abstand nahm von Materialien, die allein ihres Preises wegen Verwendung fanden. Er experimentierte mit günstigeren Werkstoffen wie Elfenbein oder gar einfachem Horn und normalen Steinen, um sich dieses natürlichen Farben- und Formenreichtums zu bedienen. Hierbei kam er auch mit dem Stoff in Berührung, der es ihm ermöglichen sollte, seine kühnsten Träume plastischer Kunst Wirklichkeit werden zu lassen: Glas.

Beflügelt durch den wachsenden Erfolg seiner Kreationen, entwickelte Lalique seit 1890 seinen individuellen Stil kontinuierlich fort und wurde zu einem der führenden Vertreter der Art Déco und der Art Nouveau. Die Liste seiner Kunden und Projekte entführt in die extravagante Welt des frühen 20. Jahrhunderts. René Lalique entwarf Teile des Innendekors des Orientexpresses und anderer Luxuszüge, er gestaltete Lampen und Fenster der großen Ozeandampfer und für die Pariser Weltausstellung von 1937, sowie Kühlerfiguren der Automarken Bentley, Bugatti und Citroën. Zudem entwarf er Bühnenschmuck für Sarah Bernhardt, der damals berühmtesten Actrice der Welt.

Angestachelt zu seiner Kunst wurde er nicht zuletzt durch Plagiate, die spätestens seit der Präsentation seiner Werke auf der Weltausstellung des Jahres 1900 in großer Menge entstanden. Seiner Kreativität und Originalität verpflichtet, gelang es René Lalique immer wieder das Heer der Nachahmer mit neuen Entwürfen zu übertrumpfen. Glas rückte dabei verstärkt in den Fokus seiner Kunst, bis er schließlich fast ausschließlich Glasskulpturen anfertigte.

Einen Meilenstein in Laliques Vita und der Geschichte seines Unternehmens bezeichnet das Jahr 1907. Lalique schloss Bekanntschaft mit dem Parfümproduzenten François Coty. Coty brachte Lalique dazu, Glasflakons für Parfüm zu entwerfen und herzustellen. Sehr bald entwickelte sich die Flakonproduktion zu einem Kerngeschäft der Firma. In einer von Lalique erworbenen Glaserei in Combs-La-Ville bei Paris entwickelte Lalique neue Produktionsmethoden, die es ihm erlaubten, die Flakons in großer Stückzahl herzustellen. Auf diese Weise trug er nicht unwesentlich dazu bei, dass Parfüm zu einem Artikel für eine breitere Masse wurde. Ein weiteres Werk, die Verrerie d’Alsace, sollte 1921 im elsässischen Wingen-sur-Moder folgen. 1931 schließlich wagte das Unternehmen den Schritt über die reine Flakonherstellung hinaus und vertrieb erstmals einen selbst kreierten Duft.

Die deutsche Besatzung machte der Firma Lalique 1939 ein vorläufiges Ende. René Lalique verstarb am 1. Mai 1945, ohne den Neubeginn seines Unternehmens miterleben zu dürfen.

Den Neuaufbau und Wiederaufstieg der Firma vollbrachte sein Sohn Marc Lalique (1900-1977). Marc Lalique verbreiterte das Kerngeschäft und weitete es auf alle Formen luxuriöser Glasartikel aus. Von Vasen und Skulpturen über Gläser und Schalen bis hin zum traditionsreichen Flakon entstand ein breites Sortiment, das zum Fundament eines neuen wirtschaftlichen Erfolges werden sollte. Hatte sein Vater noch in erster Linie mit einfachem Glas gearbeitet, so setzte Marc Lalique auf Kristall und führte damit den Stil ein, für den Lalique bis heute berühmt ist.

Von 1977 an bis zu ihrem Tode 2003 stand Marie-Claude Lalique dem Familienunternehmen in dritter Generation vor. Sie belebte alle Geschäftsfelder ihres Großvaters. Neben dem unverändert breiten Sortiment edler Glaswaren, wurde die Herstellung von Schmuck wieder aufgenommen. Ganz in der Tradition von René Lalique finden in diesen Pretiosen auch Glas und Halbedelsteine Verwendung. 1992 schließlich begann Lalique erneut mit der eigenen Produktion von Parfüms. Zunächst ausschließlich für Damen, doch schon nach wenigen Jahren gesellten sich Herrendüfte hinzu. Als besonderer Clou gelten vielen Freunden des Lalique-Parfüms die exklusiven Sammlerflakons, die das Unternehmen seit 1994 vertreibt. Heute hat Lalique 36 Düfte im Sortiment, eine neue Kreation wurde für 2014 angekündigt. (mj)

Lalique official website and online store | Lalique:

https://www.lalique.com/en

Bildquellen

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