Special: Das Cocktailkleid – Die Geschichte der Stilrichtungen

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„Das Leben ist wie ein Cocktail. Mal erfrischend süß, mal herzhaft bitter. Im Ganzen jedoch genießenswert.“ – Sinan Gönül

Ein graues Cocktailkleid von Akris

Ein graues Cocktailkleid von Akris

Der Purismus der ersten Modelle aus edler Charmeuse und Crêpe de Chine, die allein durch ihren tiefen Rückenausschnitt einen verführerischen Blickfang boten, wurde im Dreissiger-Jahre-Stil der Swingzeit durch paillettenbestückte Oberteile, die wie eine Bluse zum weiten Faltenrock aus Chiffon wirkten, gebrochen. Auch die extravagante Modeschöpferin Elsa Schiaparelli, von surrealistischen Künstlern wie Salvador Dalí inspiriert, suchte mit ausgefallenen Accessoires wie Handschuhen mit aufgemalten Fingernägeln das schlichte Modediktat aufzulockern. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte die Entwicklung neuartiger, dehnbarer synthetischer Stoffe für ein Maximum an Bewegungsfreiheit und Tragekomfort, während gleichzeitig die feminine Linie zugunsten des Mädchenhaften in den Hintergrund trat. In zarten Pastelltönen gehaltene Cocktailkleider aus Chiffon und Satin mit gerafftem Bustieroberteil und schwingendem Petticoat eroberten die Tanzfläche und das elegante Schwarz wurde durch einen weissen Kragen, ein Cocktail-Hütchen in Form eines Schwesternhäubchens und farbige Pumps abgemildert. Mit Erfindung des Minirockes wurden zwei Extreme erreicht – der ultrakurze Jugendtrend einerseits und die Gegenbewegung bodenlanger Etuikleider mit schulterfreiem Bandeau-Oberteil andererseits –, die sich in den 1970er Jahren wieder vereinten zum funktionellen Jerseykleid, das gerade übers Knie reichte. Nach der Formel „Dress for Success“ wurden die weichen, geschmeidigen Umrisse eine Dekade später von maskulinen, sportiven, locker geschnittenen Stretchkleidern mit breitschultrigem Look und bar jeglicher Verzierung abgelöst. Der ultraeng anliegende Schnitt kulminierte in der Wiedergeburt der edlen Corsage, die reich mit aufwendigen Stickereien, feinster Spitze oder einem Hauch von Tüll geschmückt eine neue Weiblichkeit feierte, die in den 1990er Jahren mit der Renaissance des Cocktailkleides ihren Höhepunkt erlangte. Auch im Jahr 2009 ist seine Magie ungebrochen, insbesondere in seiner ursprünglichen Form des gerade geschnittenen Etuikleides mit betonter Taille und bedecktem Dekolleté, das beispielsweise Marios Schwab in seiner vierten Herbstkollektion durch transparente, mit Kristallen besetzte Stoffstreifen zum wahren Highlight macht. (sh)

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