Das Cocktailkleid – Der Mythos des „kleinen Schwarzen“

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Mit der legendären Kreation des kleinen Schwarzen läutete erstmals Coco Chanel den Siegeszug des Cocktailkleides ein, das bis heute seinen einzigartigen Charme weiblicher Grazie und geheimnisvoller Sinnlichkeit bewahrt hat.

little black dresses @ Liudmyla PUSHNOVA_123rf

Bei ihrem ersten Entwurf, den die amerikanische Zeitschrift „Vogue“ 1926 aufgrund der schwarzen Tönung und des klaren Schnittes als „Ford“ der Mode und „Uniform für alle Frauen mit Geschmack“ betitelte, griff Chanel auf die Farbe der Trauer zurück und verlieh ihr einen Hauch dezenter Erotik und zeitloser Eleganz. Ihre avantgardistische Geisteshaltung statuierte ein vollkommen neues feminines Stilbewusstsein durch die revolutionäre Artikulationskraft einer reduziert gehaltenen Modearchitektur: Durch eine schlichte, sehr klar geführte Formensprache wurde mit subtiler Raffinesse der körperbetonten Silhouette der Frau mehr Artikulationsraum gegeben, die dadurch ihre individuelle Persönlichkeit weitaus stärker zur Entfaltung bringen vermochte. Konzipiert als exklusive Haute Couture aus dem „maison de luxe“ für die begüterte Elite der Intellektuellenzirkel und der konservativen alten Garde, wurde das kleine Schwarze bald zum absoluten „Chic“ einer gesamten Frauengeneration.

Als unvergessliche Ikone gilt Audrey Hepburn, die in der Verfilmung „Frühstück bei Tiffany“ exemplarisch vorführt, wie ein einziges Kleid, begleitet von Accessoires und Schmuckkreationen, eine unflätige Holly Golightly in eine Dame verwandelt.

Als die abendliche Cocktailparty den gesellschaftlichen Nachmittags-tee verdrängte, bildete das kleine Schwarze das adäquate Surrogat für die die prunkvoll-voluminösen Roben und ging als erstes Modell des berühmten Cocktailkleides in die Modegeschichte ein. Das beliebte Mixgetränk, das den schwarzgebrannten Alkohol durch Beimischung von Sirup und Soda trinkbar machte und bald zum Symbol einer lukullischen Lebensart avancierte, gab dem zeitlos schönen Kleid mit dem dezentem Dekollete und dem figurnahen, leicht taillierten Schnitt seinen Namen. Luxuriöser und femininer als die zweckmässig-komfortable Tagesgarderobe, jedoch weniger aufwendig als eine prunkvolle Abendrobe, ist das Cocktailkleid in seiner Variationsvielfalt zu jeder Stunde der ideale Begleiter bei familiären und gesellschaftlichen Feierlichkeiten. Seine ursprüngliche Form entspricht dem schlichten Styling des ärmellosen Etuikleids, das den Körper wie ein eng anliegendes Etui umschliesst und die unbedeckte Haut elegant zur Geltung bringt.

Von seiner Geburt in den 1920er Jahren über seinen glanzvollen Höhepunkt in den 1950er-Jahren bis heute ist das vielseitige Kleidungsstück unzählige Male neu interpretiert worden, insbesondere der meist ausgestellte Rockteil, dessen Länge je nach Modetrend von einer Handbreit über dem Knie bis maximal zu den Waden reicht. Als Paradigma der Variationsvielfalt vereint das kleine Schwarze mit seiner keusch-verruchten Aura alle Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts und gehört bis heute, wie Donna Karan vermerkte, zur „Basis der Garderobe einer Frau“. (sh)

Bildquellen

  • 46372847 – little black dresses: 123rf
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