Das kleine Städtchen Glashütte südlich von Dresden ist ein Zentrum der deutschen Uhrmacherkunst. Dabei war das Uhrengewerbe, dem Glashütte seinen heutigen Weltruhm verdankt, zu Beginn kaum mehr als ein Notbehelf.

GUB Damenuhr Glashuette

GUB Damenuhr Glashuette

Anfang der 1840er Jahre lag die Wirtschaft des Örtchens Glashütte danieder. Die Glasindustrie, welcher der Ort seinen Namen verdankt, war bereits im Mittelalter eingestellt worden. Danach lebte man in Glashütte, wie in so vielen Gemeinden des Erzgebirges, jahrhundertelang vom Bergbau. Silber, Eisen, Kupfer und Zinn holten die Glashütter aus ihren Bergen, doch als die Vorkommen erschöpft waren, schien der Entwicklung des Ortes ein jähes Ende gesetzt zu sein.

Den Umschwung brachte der Unternehmer Ferdinand Adolph Lange. Mit finanzieller Unterstützung des Königreichs Sachsens gründete er 1845 eine Uhrenmanufaktur und begann damit, die örtliche Bevölkerung zu Uhrmachern auszubilden. Zugleich warb er weitere Unternehmer an, ebenfalls in Glashütte Uhrenmanufakturen zu errichten. Durch die bereits durch Lange ausgebildeten Arbeiter, konnte jede dieser Firmengründungen auf einen Stamm erfahrener Fachkräfte zurückgreifen.

Schon früh gelang den Uhren aus Glashütte der internationale Durchbruch. Ferdinand Lange besuchte mit seinen Erzeugnissen 1851 die Weltausstellung in London und kehrte mit vollen Auftragsbüchern zurück. Der Name „Glashütte“ war fortan ein Begriff im europäischen und amerikanischen Uhrenhandel. Die Nachfrage nach Glashütte-Uhren stieg beständig und konnte dank der Ansiedlung weitere Manufakturen und der Ausweitung bestehender Betriebe erfüllt werden. Eine große Rolle dabei spielte die arbeitsteilige Herstellung der Uhren. Dieser Grad der Spezialisierung der Arbeiter, den Lange im Ausland kennen gelernt hatte, war damals im deutschen Uhrmacherhandwerk noch weitgehend unbekannt gewesen. Damit hatten die Manufakturen in Glashütte dem größten Teil der deutschen Konkurrenz ein Plus im Produktionstempo voraus.

Glashütte nach Ferdinand Lange

Eine weitere entscheidende Wegmarke markiert das Jahr 1878: Die Gründung der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte. Die bislang rein betriebliche Ausbildung wurde damit, um eine professionelle schulische Dimension erweitert. In der Folge der Schulgründung kam es dann zu weiteren Ansiedlungen von Uhrenherstellern. Die Professionalisierung der Feinmechaniker zeigte sich in den Folgejahren unter anderem darin, dass es den Glashütter Firmen gelang, Präzisionsuhren in immer kleinerem Maßstab zu fertigen. Fliegeruhren und Navigationsuhren für die Marine aus Glashütte waren zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts legendär. Sie gehörten nicht nur zur festen Ausstattung des Militärs im Ersten Weltkrieg, sondern waren auch Teil der Ausrüstung der deutschen Südpolexpedition von 1911. 1926 schließlich fand der Trend zur uhrmacherischen Miniaturisierung in Glashütte zu einem besonderen Höhepunkt: Den ersten in Deutschland gefertigten Uhrwerken für Armbanduhren.

In der DDR wurden die einzelnen Unternehmen zu den Glashütter Uhrenbetrieben (GUB) zusammengelegt. GUB-Uhren galten sowohl bei der Genauigkeit wie auch bei der Qualität der Ausführung als die besten Zeitmesser des Ostblocks und waren in allen sozialistischen Staaten begehrt. Nach der Wende wurden die GUB wieder in einzelne Firmen aufgeteilt. Glashütter Traditionsfirmen wie A. Lange & Söhne,Glashütte Original und Union Glashütte erlebten ihre Wiedergeburt. Und wie bereits in früheren Zeiten lockte das Vorhandensein gut geschulter Fachkräfte zusätzliche Unternehmer, in Glashütte ebenfalls in die Uhrenproduktion einzusteigen. So entstanden seitdem viele weitere Firmen, nämlich Nomos Glashütte, Bruno Söhnle, Nautische Instrumente Mühle, Tutima, Kronsegler, Hemess Zeitmesstechnik, Grossmann Uhren und Wempe Chronometerwerke.

Bilder: Stiftung Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – © René Gaens

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