Tabakanbau: Tabakpflanzen werden auf zwei verschiedene Arten angebaut, je nachdem, wofür die Tabakblätter später verwendet werden sollen. 

Die Deckblätter werden auf Feldern des so genannten Tabaco tapado (abgedeckten Feldern) angebaut. Diese Pflanzungen werden durch einen dünnen Stoff vor der Sonne geschützt, um eine weiche und glatte Textur des Blattes zu erreichen. Die unteren Blätter ergeben ein helleres Deckblatt, während die oberen Blätter ein dunkleres Deckblatt hervorbringen. Die Blätter für Einlage und Umblatt (capote) werden unter voller Sonneneinstrahlung angebaut. Man unterscheidet hier drei Hauptarten: Der Ligero ist der kräftigste Tabak und gibt der Zigarre die geschmackliche Stärke. Er befindet sich am oberen Teil der Pflanze. Der Seco ist mittelkräftig und besonders wichtig für das Aroma. Der Volado befindet sich am unteren Teil der Pflanze und ist am wenigsten kräftig. Er wird wegen seiner guten Brennbarkeit und seiner Funktion als Umblatt besonders geschätzt.
Die Arbeit der Tabakbauern beginnt in den heißen Monaten Juni und Juli und wird ohne Unterbrechung neun Monate fortgesetzt. Das Saatgut wird in Saatanlagen ausgebracht und ist nach 45 Tagen bereit für die Umsetzung in die Tabakpflanzungen. Der Zeitraum zwischen Aussaat und dem Höhepunkt der Ernte beträgt 17 Wochen für den Tabaco tapado für das Deckblatt und 16 Wochen für den an der Sonne angebauten Tabak für Einlage und Umblatt. Man schätzt, dass ein Tabakpflanzer jede Pflanze während der gesamten Anbauzeit 150 mal überprüft. Die Ernte ist eine mühsame Arbeit, da jedes Blatt einzeln per Hand verlesen wird. Es werden jeweils nur zwei oder drei Blätter gleichzeitig abgenommen und zwischen den einzelnen Abnahmezeitpunkten müssen einige Tage vergehen, womit das Abernten einer einzigen Pflanze insgesamt ca. 30 Tage dauert. Die abgeernteten Blätter werden in die „Tabakhäuser“ der Pflanzer gebracht und dort an der Luft getrocknet. Es handelt sich um eine langsame und sorgfältige Trocknung, bei der Feuchtigkeit entzogen wird, wobei das Blatt nach und nach einen goldenen Farbton annimmt. Die Blätter werden aufgereiht und nebeneinander an Stangen aufgehängt. Sobald die Trocknung der Blätter voranschreitet, werden die Stangen in den oberen Teil der Tabakhäuser verlagert. Nach der Trocknung wird das abgetrockenete Blattgut in die Escogida (Auslese) gebracht. In der Escogida werden die Blätter für Deckblatt, Einlage und Umblatt einer ersten natürlichen Fermentation unterzogen. Bei diesem Prozess wird der Geschmack der Einlageblätter weicher und die Farbe der Deckblätter einheitlicher. Das Verfahren wird ständig überwacht, um die gewünschten Temperatur- und Feuchtigkeitsparameter einzuhalten. Für die Deckblätter gibt es eine Klassifizierung in über 50 verschiedene Kategorien, je nach Größe, Farbe und Textur, um sicherzustellen, dass eine Habano nur aus den besten Blättern gefertigt wird. Nach einer Ruhezeit werden die Deckblätter
in Bündel gepackt, um im Anschluss daran, ähnlich wie ein sehr guter Wein, reifen zu können. Bei den Blättern für Einlage und Umblatt wird die Blattrippe im unteren Teil der Hauptader (Mittelrippe) entfernt. Gleichzeitig findet die endgültige Klassifizierung nach Größe und Eigenschaften statt. Danach wird der Tabak zwischen Bretter gelegt und „gebügelt“. Lediglich die Blätter für Einlage und Umblatt werden einer zweiten Fermentation unterzogen, bei der die Stangen größer sind und die Zeit der Fermentation länger als bei der ersten dauert. Nach der zweiten Fermentation werden die an der Sonne angebauten Blätter für Einlage und Umblatt in Behälter gepackt, die Pacas heißen, und in ein Reifungslager in Havanna gebracht, wo sie zusammen mit den gebündelten Deckblättern in Tercios (Ballen in Blätter der Königspalme verpackt) aufbewahrt und einem langen Alterungsprozess von bis zu drei Jahren unterzogen werden. Es ist wie bei einem guten Wein: Je länger das Blatt gealtert ist, umso besser wird die Qualität.

© 5th Avenue
Farben: Die Produzenten kubanischer Zigarren unterscheiden über 60 verschiedene Farbtöne, die unter folgenden Grundfarben zusammengefasst werden können:

Bezeichnung: Clarissimo / Blätter unterer Etagen der Tabak Gelb- bis Olivgrün
Bedeutung: Blätter unterer Etagen der Tabakpflanze, die früh geerntet und dann über Holzkohle geräuchert werden, um den sehr milden Geschmack zu erhalten; in den 1950er und 1960er Jahren in Nordamerika sehr beliebt.

Bezeichnung: Claro Claro bis claro / Hellblond bis Braungelb, gold
Bedeutung: Blätter unterer Etagen, die später geerntet werden; beliebtes Deckblatt in den 1960ern.

Bezeichnung:  Colorado Claro bis Colorado / Hellbraun bis Rotbraun
Bedeutung: Blätter oberer Etagen, die später geerntet werden; seit über 20 Jahren die attraktivste Farbpalette.

Bezeichnung:  Maduro Colorado bis Maduro / sattes bis sehr tiefes Braun
Bedeutung: Blätter der obersten Etage, reif und ölig mit starkem und intensivem Geschmack.

Bezeichnung:  Oscuro, Negro / schwarzbraun bis schwarz
Bedeutung: Vollständig gereifte Blätter an der Spitze der Tabakpflanze; meist aus Brasilien oder Nicaragua.

Bildquellen

  • Arbeiterin: 5th Avenue
  • Trocknung: Davidoff
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